Science-Lab
Die Forschungsförderin

"Mama, warum ist der Himmel so blau?" Wenn Kinder komplizierte Fragen stellen, wissen auch die Eltern nicht immer eine Antwort. Auch Sonja Stuchtey konnte irgendwann nicht mehr alle Fragen ihrer fünf Kinder beantworten. Also gründete sie Science-Lab - und bringt dem Nachwuchs seitdem die Naturwissenschaften näher.
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Ihre braunen Augen hinter der schmalen Brille scheinen zu lachen. Fasziniert beobachtet Sonja Stuchtey die vier Jungen und drei Mädchen, mit denen sie um den großen Holztisch steht. In der Hand halten alle eine Stimmgabel, vor sich ein Wasserglas. Kräftig klopfen sie die Stimmgabeln auf den Tisch oder ans Glas, murmeln, singen, quasseln. "Habt ihr eine Idee, wie man den Ton sehen kann?", fragt Stuchtey, als ginge es um ein großes Geheimnis. Die Kinder horchen auf, überlegen, fuchteln herum. Ein blonder Junge im Ringelshirt taucht die Gabel ins Wasser und ruft: "Ich sehe Wellen!" Stuchtey strahlt, zeigt auf das Glas. Einer schreit in die Runde: "Schallwellen!"

Für Momente wie diesen in der Montessorischule im bayerischen Penzberg hat Stuchtey 2002 das Science-Lab gegründet. Die private Bildungsinitiative mit Hauptsitz in Feldafing will Kinder in Forscherkursen spielerisch an die Naturwissenschaften heranführen. Für zehn Euro pro Stunde befassen sich die Kinder mit Themen wie Blätter und Blüten, Kriecher und Krabbler, Wasser, Weltraum und Elektrizität. Vierjährige lernen "Die Welt, in der wir leben" (Kurstitel) kennen, Achtjährige das "Wechselspiel der Gegensätze", Zehnjährige besuchen Geolab oder Biolab.

Das Konzept überzeugt. "Science-Lab hat im Bildungsmarkt eine Lücke erschlossen und trägt dazu bei, die kreativen Forscher von morgen mit auszubilden", sagt Heinz Mandl, Professor für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Lob kommt auch aus der Industrie. "Zuvor hat noch nie jemand gewagt, wissenschaftliche Inhalte in Kindergärten zu tragen. Der Bedarf ist da", sagt Professor Patrick Baeuerle, Vorstand des Pharmaunternehmens Micromet, das das Science-Lab als Sponsor unterstützt.

Mittlerweile bietet die Einrichtung Kurse an über 70Standorten in Deutschland und Österreich. Mehr als 12000 Kindergarten- und Grundschulkinder haben teilgenommen. Darüber hinaus bildeten sich mehr als 5000 Lehrer und Erzieher in Workshops weiter.

Geplant war diese Erfolgsgeschichte nicht. Ursprünglich ging es der mittlerweile fünffachen Mutter nur darum, die neugierigen Fragen ihrer Kinder zu beantworten. "Mama, warum ist der Himmel blau?" fragte 2001 ihre damals vierjährige Tochter. Woher kommt der Strom? Wie kommt das Lied aus der Gitarre? Die Diplom-Kauffrau stieß schnell an die Grenzen ihres Wissens - und beschloss, das zu ändern. Gemeinsam mit ihrer späteren Geschäftspartnerin Heike Schettler, einer promovierten Chemikerin, lud sie ein paar Nachbarskinder zu kleinen Experimenten ein. Die Nachfrage von Groß und Klein war riesig. Interessierte Freunde der Eltern riefen aus Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt an, ob es ähnliche Angebote auch in ihrer Stadt gäbe. Und die Kinder fragten: "Wie viel mal muss ich noch schlafen, bis ich wiederkommen darf?" So viel Begeisterung steckte Stuchtey an. "Es ist wunderschön zu sehen, wie Kinder Dinge und Zusammenhänge entdecken."

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