Sechs Fragen an Ottmar Edenhofer
„Klima-Beschluss weist in richtige Richtung“

Ottmar Edenhofer ist Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußerte sich Edenhofer über die Beschlüsse des G8-Klimagipfels.

Handelsblatt: Welche Bedeutung messen Sie den G8-Beschlüssen zum Klimaschutz bei?

Ottmar Edenhofer: Die Festlegung auf das Zwei-Grad-Ziel ist aus meiner Sicht ein großer Erfolg. Die Beschlüsse des Gipfels werden positiven Einfluss auf die Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember haben.

Stört es Sie nicht, dass die Beschlüsse des Gipfels in L'Aquila keinerlei bindende Wirkung haben?

Entscheidend ist, dass der Beschluss der Industriestaaten den Weg in die richtige Richtung weist. Natürlich müssen die Staaten am Ende Pläne vorlegen, aus denen klar hervorgeht, wann und wie sie die Treibhausgasemissionen drastisch reduzieren wollen.

Verschieben die Industriestaaten mit der Zusage einer 80-Prozent-Reduktion bis 2050 das Problem nicht einfach nur in die ferne Zukunft?

Natürlich ist die Spanne bis 2050 aus Sicht eines Politikers eine halbe Ewigkeit. Dennoch bewerte ich die Festlegung auf das 80-Prozent-Ziel positiv. Entscheidend ist, wieviel Treibhausgas bis zum Ende des Jahrhunderts noch emittiert wird.

Steht die Langfristigkeit nicht im Widerspruch zum Appell der Wissenschaft, möglichst rasch zu handeln?

Wir brauchen beides: Langfristige Festlegungen und kurzfristige Ziele. Wir müssen den Scheitelpunkt der Treibhausgasemissionen um das Jahr 2020 herum erreicht haben. Das ist nicht nur klimapolitisch geboten, sondern auch ökonomisch vernünftig. Dazu müssen jetzt die entsprechenden Investitionen getätigt werden. Mit einer Festlegung auf ein Ziel für das Jahr 2050 ist zugleich klar, dass nach 2020 entschieden reduziert werden muss. Langfristige Ziele ergänzen die kurzfristigen Ziele und sind die Basis für ein ruhiges, aber kraftvolles Umsteuern.

Welche Auswirkungen hat die Umsetzung der Klimaschutzziele auf das Wirtschaftswachstum?

Wenn wir jetzt umsteuern und zugleich langfristige Ziele im Blick behalten, können wir die Kosten des Klimaschutzes relativ gering halten. Das Wachstum wird sich lediglich verzögern. Wir müssen nicht auf unseren Lebensstandard verzichten, sondern benötigen einen intelligenten Strukturwandel.

Wie soll das funktionieren?

Wir dürfen nur noch 1 200 Gigatonnen Kohlendioxid für den Rest des Jahrhunderts in der Atmosphäre ablagern, wenn wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen wollen. In diesem Umfang können wir Emissionsrechte ausgeben. Da diese handelbar sind, wird sich ein Weltmarktpreis für CO2 bilden, der einen Strukturwandel hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaftsweise auslöst: Dadurch werden die erneuerbaren Energien, Biomasse und die Steigerung der Energieeffizienz rentabel. Wir werden das Zwei-Grad-Ziel aber nur erreichen, wenn uns die CCS-Technologie bald zur Verfügung steht. Denn Länder wie China und Russland werden auf den Einsatz der Kohle nicht verzichten.

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