Smog in Delhi
Gift in der Luft

Die extreme Luftverschmutzung in der indischen Hauptstadt hat Konsequenzen für die Wirtschaft: Fabriken müssen schließen, Mitarbeiter sind beunruhigt. Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen.
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BangkokAuf die Straße geht Michael Wekezer mit Schutzmaske, zuhause sind seine Fenster dicht verriegelt, ein Filter soll die gefährlichen Partikel so gut es geht von ihm und seiner Familie fernhalten. Der Berater lebt an einem Ort, wo schon das Atmen gefährlich ist: In keiner anderen Hauptstadt ist die Luftverschmutzung so hoch wie in Neu Delhi. In diesem Herbst trifft es die indischen Metropole besonders stark: Vor mehr als einer Woche ist die Luftqualität in die unterste Kategorie gefallen. Die Stadt könnte damit den Negativrekord vom vergangenen Jahr brechen.

Wekezer, der in Neu Delhi die Niederlassung der Beratungsgesellschaft Rödl & Partner leitet, zeigt sich besorgt: „Man kann versuchen, die Belastung mit Filtern und Masken zu minimieren und so wenig wie möglich nach draußen zu gehen“, sagt er. „Aber natürlich sind Langzeitfolgen nicht auszuschließen.“ Dabei empfinde er sich schon als einen der Privilegierten: Die Mehrheit der Hauptstadtbewohner könne es sich nicht leisten, die ganze Wohnung mit Luftreinigern auszustatten oder die Stadt zu verlassen, wenn die Smog-Werte ganz extrem ausfallen.

Der Nebel, in den Neu Delhi eingehüllt ist, hat für die Stadt massive Konsequenzen: Angesichts von Feinstaubwerten, die mehr als 45-mal über der als unbedenklich geltenden Höchstgrenze lagen, riefen Ärzte einen öffentlichen Gesundheitsnotstand aus. Die Zahl der Patienten mit Atemwegsproblemen stieg in den Krankenhäusern zuletzt rapide an. Die Stadt sei zu einer Gaskammer geworden, warnte der lokale Regierungschef Arvind Kejriwal.

Auch die Wirtschaft leidet unter den Folgen der verschmutzten Luft. Mehrere Konzerne haben ihre Produktionsstätten in der Hauptstadtregion geschlossen. Betroffen sind nach indischen Medienberichten unter anderem Fabriken von Coca-Cola, ein Moped-Werk von Honda, der italienische Süßwarenhersteller Perfetti Van Melle und ein lokaler Konsumartikelproduzent. Sie folgten der Anordnung einer Umweltschutzbehörde mit dem Ziel, die Emissionen rund um die Hauptstadt zu reduzieren.

Die Produktion von Hero MotoCorp, einer der weltgrößten Motorradhersteller, kam teilweise zum Erliegen weil Lieferwagen wegen Fahrverboten nicht zur Fabrik fahren konnten. Auch Baustellen in der Hauptstadt mussten auf Anordnung der Behörden alle Arbeiten einstellen – in der Hoffnung, die Luftverhältnisse damit zu verbessern.

Die amerikanische Fluglinie United Airlines strich aufgrund der extremen Feinstaubbelastung Flüge nach Neu Delhi. Sie begründete dies unter anderem mit der Sicherheit ihrer Mitarbeiter. Auch deutsche Organisationen sind angesichts der Lage beunruhigt. „Unsere Messungen letzte Woche haben im Büro deutlich überhöhte Werte ergeben“, meldete Christoph Kessler, Indien-Direktor der staatlichen Förderbank KfW diese Woche in einem Schreiben an die Frankfurter Zentrale.

Besonders um eine schwangere Mitarbeiterin mache er sich Sorgen. Als Sofortmaßnahme dichtete er die Fenster provisorisch mit Klebeband ab – die Feinstaubwerte gingen dadurch spürbar zurück. Zudem beschaffte er Atemschutzmasken für die Belegschaft und stellte Luftfilter für Kollegen zur Verfügung, die in ihrem Zuhause noch keine haben. „Ich persönlich habe das Glück, den Smog nicht allzu stark zu spüren, andere Kollegen haben da aber schon größere Probleme.“

Kommentare zu " Smog in Delhi: Gift in der Luft"

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  • Ergänzung zum Kommentar von 12:31 Uhr (Zitat aus dem Artikel: "– eine ebenso günstige wie schädliche Entsorgungsmethode, ...", mein Kommentar dazu: „Oh Mann. GÜNSTIG. Gesund bleiben (oder überhaupt leben) dürfen muss man sich erstmal leisten können, nicht?“):

    Natürlich werden wir auch in Zukunft Zahlungsmittel (gemeinhin unter dem Begriff „Geld“ zusammengefasst) für die Abwicklung unseres Handels – und damit zur Aufrechterhaltung des globalen Wirtschaftskreislaufs – benötigen.

    Aber weit mehr noch als über Art und Ausgestaltung dieses Zahlungsmittels muss schon angesichts der vielen in unserem derzeitigen Finanzsystem praktisch nicht existenten, aber gleichwohl absolut lebensnotwendigen „Güter“ (wie z.B. ein intaktes Ökosystem, also sauberes Wasser und saubere Luft, oder eine harmonische, friedfertige globale Gesellschaft) auf breitestmöglicher politischer Ebene (und im IT-Zeitalter ist die s e h r breit) ganz dringend geklärt werden, wie der Marktpreis einer jeden gehandelten „Ware“ – ganz gleich, ob materieller oder immaterieller Art -, der durch dieses Zahlungsmittel abgebildet wird, endlich auf demokratische – also summa summarum und letzten Endes auf der Basis von dessen „Bewertung“ durch jeden einzelnen Erdenbürger – ermittelt werden kann.

    Und wie gleichermaßen schnellstmöglich auf demokratische (d.h., für jedermann transparente!) Art und Weise das zur Erreichung dieses Ziels geeignete Prozedere ermittelt und ausgearbeitet - und umgesetzt werden kann.

  • @Herr Helmut Metz, 15.11.2017, 15:17 Uhr

    „Gewisse Teile der "Elite" sind daher auch davon überzeugt, dass unbedingt eine Bevölkerungsreduktion erfolgen muss (…)“

    ???

    Eins ist mal klar: Wer – aus welchen Gründen auch immer – auf der Welt ist, ist da und hat das Recht auf ein Leben, das man als menschenwürdig bezeichnen kann. JEDER.

    Wollen Sie das bestreiten?

    Und was die meisten unter einem "menschenwürdigen Leben" nicht zuletzt verstehen, wird ja schon am Ergebnis der Umfrage zu diesem Artikel ("Könnten Sie sich vorstellen in Neu Delhi zu arbeiten?", siehe dort) deutlich.

    Ihre „Eliten“ – wer immer das sein soll – allesamt zu erschießen scheidet da als Problemlösungsoption also schon mal aus.

    Dass ganz dringend etwas gegen einen weiteren und in vielen Fällen - insbesondere von den Frauen bzw. Müttern - ungewollten unkontrollierten Bevölkerungszuwachs (die meisten Frauen wollen zwar Kinder, aber eben nicht so viele – schon gar nicht, wenn sie allein für sie sorgen müssen), der paradoxerweise ausgerechnet in den im globalen Vergleich am meisten benachteiligten Regionen stattfindet („paradoxerweise“ nur auf den ersten Blick: weil gerade diese Benachteiligung – der Mangel an Bildung, Aufklärung, Entscheidungsfreiheit, Entwicklungschancen, kurz: Perspektiven (die sich, nebenbei angemerkt, da wir alle auf dem gleichen Planeten leben zwangsläufig früher oder später auch für die jüngeren und nachkommenden Generationen eintrüben werden, wenn jetzt nicht schleunigst und beherzt gegengesteuert wird*) die Hauptursache der Bevölkerungsexplosion in diesen Regionen ist) unternommen werden muss, ist mehr als offensichtlich, steht aber auf einem ganz anderen Blatt.

    *Also, was schlagen Sie vor?

  • @ Peter Schuppli
    "Wenn wir so weiterwursteln auf diesem unserem Planeten und die Natur ohne jede Achtung vor der Schöpfung ausbeuten und vernichten wie in den vergangenen Jahrzehnten, werden wir uns darauf einstellen müssen, eines Tages allesamt im eigenen Dreck unterzugehen. Nur eine Frage der Zeit."

    Gewisse Teile der "Elite" sind daher auch davon überzeugt, dass unbedingt eine Bevölkerungsreduktion erfolgen muss (dies ist übrigens keine VT). Sich selber wollen die natürlich von dieser Reduktion ausnehmen. Zudem tragen Teile dieser "Elite" auch eine gewisse "Mitschuld", denn nur die ungehemmte KREDITEXPANSION ermöglichte letztendlich auch dieses enorme Bevölkerungswachstum und mit ihm den ungeheuren Ressourcenbedarf.

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