Smog in Peking: Chinas Hauptstadt geht die Puste aus

Smog in Peking
Chinas Hauptstadt geht die Puste aus

Die Luft in Peking wird immer dicker – ein durchschnittlicher Tag Leben in Chinas Hauptstadt entspricht dem Konsum von 21 Zigaretten. Jetzt werden Rufe nach drastischen Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung laut.
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PekingIn ihrer Heimat, der Hafenstadt Qingdao, folgt die Jogging-Strecke von Zhang Jinfei kilometerweit der Küste des Gelben Meeres. „Dort hat eine frische Brise immer allen Schmutz fortgeweht, es war herrlich“, sagt die Mittzwanzigerin. Doch seit sie vor zwei Jahren zum Arbeiten nach Peking gezogen ist, musste sie ihr Laufhobby aufgegeben. „Keiner weiß, was man sich einfängt, indem man hier bloß den grauen Nebel einatmet“, sagt die Büroangestellte aus der Gartenbaubranche. „In Peking ist es gesünder, auf Sport zu verzichten.“

Nicht nur Zhang macht sich Sorgen um die Folgen der Luftverschmutzung in China. Inzwischen beschäftigen sich auch die staatlichen Wissenschaftsakademien des Landes mit den Kosten für Leib und Leben. Peking sei „kaum noch bewohnbar“, warnen Forscher der angesehenen Shanghai Academy of Social Sciences. Die Stadt rangiere auf dem zweitletzten Platz von 40 untersuchten Weltstädten – nur in Moskau sei die Lage schlimmer.

Die Unzufriedenheit der Bürger mit der Atemluft beschäftigt auch die hohe Politik. Die Kommunistische Partei ist grundsätzlich bemüht, die Bevölkerung zufrieden zu halten, um ihr keinen Grund für Umsturzgedanken zu geben. Premier Li Keqiang hat daher bereits angekündigt, die Luftverschmutzung mit „eiserner Faust“ zu bekämpfen.

Vergangene Woche hat Li ein kurzfristiges Paket im Wert von 1,2 Milliarden zur Luftreinhaltung angekündigt. Langfristig will die Regierung die gigantische Summe von 360 Milliarden Euro für den Schutz von Luft und Wasser ausgeben – Li zufolge derzeit eine der bestmöglichen Investition für Staatsmittel.

Doch auch die Führung gibt zu, dass Veränderungen hier eher Jahrzehnte dauern als Monate. Die Regierung lässt die schlimmsten Dreckschleudern zwar schon seit Jahren systematisch schließen. Doch einerseits nimmt der Straßenverkehr ständig zu, andererseits müssen wegen des schnellen Wachstums laufend neue Kohlekraftwerke ans Netz. Parallel läuft zwar auch der Ausbau emissionsfreier Energiequellen, doch der braucht – wie auch in Deutschland – viel Zeit.

Unterdessen werden die Chinesen selbst immer frustrierter. Dramatische Zahlen schrecken die Öffentlichkeit auf: Binnen zehn Jahren ist die Quote von Lungenkrebs in Peking um 60 Prozent gestiegen – obwohl die Leute weniger rauchen. Einer Greenpeace-Studie zufolge sterben pro Jahr eine Viertelmillion Menschen an den Folgen des Smogs. Er löse jährlich Asthma bei über 300.000 Kindern aus und beschere der Wirtschaft 140 Millionen Fehltage. Ein durchschnittlicher Tag Leben in Peking entspricht anderen Berechnungen zufolge 21 Zigaretten.

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Der Smog ist schlimmer als die Lungenkrankheit Sars

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  • @Inoxis63
    Entweder Sie haben meinen Text nicht verstanden oder IHRE Brille hat die falschen Dioptrien ;-)

    Ich bin Öko seit ich politisch denken kann und das ist seit uns Kohl mit 16 Regierungsjahren beglückt hat. Ich stimme Ihrer dramatischen Schilderung der Probleme dieser Welt zu. Ich sagte doch dass beim Waldsterben noch immer nicht alles in Butter ist.

    Worauf ich hinaus wollte, ist dass wir nicht in Hoffnungslosigkeit versinken sollten, sondern anpackenderweise das Ruder herumreißen können. Wenn wir in Trübsal und Schwarzmalerei versinken, haben die Klimawandelleugner und Kohlebefürworter leichtes Spiel. Die lachen dann nur über uns, besonders wenn wir uns selbst zerfleischen. Sie kennen das Ergebnis der letzten Bundestagswahl?

    Gerade weil die Weltbevölkerung wächst, müssen wir uns was einfallen lassen. Haben Sie da eigentlich einen Lösungsvorschlag? Was soll mir das Betrachten einer Karte von Sao Paolo für Lösungen eingeben? Nur noch wie ein Kaninchen auf die Schlange zu starren? Oder gar irgendwas Richtung Euthanasie??

    Also, spitzen Sie Ihre Feder gegen andere, und denken Sie nochmal nach ob Ihr Beitrag nicht eher wertfrei war als wie Sie das meinem unterstellen.

  • @zitrone73

    Hauptsache die rosa Brille auf.

    1+1 macht 2 und nicht weil wir die rosa Brille aufsetzen 1,5.
    Und nur weil über das Waldsterben in der System-Presse nicht mehr berichtet wird, heisst das noch lange nicht das die Wälder nicht mehr geschädigt werden.

    Bevor Sie hier solche wertfreien Texte verfassen, sollten Sie sich mal mit den Themen befassen!

    Hier mal eine Hausaufgabe. Recherchieren Sie mal nach:

    - Palmöl und der Produktion
    - Biosprit vs landwirtschaftliche Nutzung in Brasilien
    - oder dem Thema Fangquote im Chinesischen Meer und deren Auswirkung auf die Ernährung der direkten oder indirekten Anrainern wie Thailand, Kambotscha, Vietnam etc.

    Schauen Sie sich mal die Bevölkerungsentwicklung von Sao Paulo an, wo die Stadt vor 70 Jahren stand, und wo die Stadt heute steht. (Satilitenansicht langt!)

    Nehmen Sie Themen wie geldgeile Milliarden-Dollar-Unternehmen die mit dem System 1507 Ihre Einnahmen noch auf Teufel komm raus, weiter steigern wollen.

    So......

    .....und nun nehmen Sie Ihre rosa Brille ab, und nun zählen wie noch mal zusammen:

    1+1 gleich 2 !

    Sehen Sie, geht doch! War ganz einfach !

    ;)

  • Ich würde da nicht so schwarz sehen wie Sie. Ich verstehe Ihre Befürchtungen. Aber Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass grüner Protest wirksam und erfolgreich ist: Das Waldsterben in Deutschland wurde gestoppt und die Waldfläche wächst wieder (wenn es auch noch geschwächte Bäume gibt).

    Warum? EBEN WEIL der Protest zum Umdenken zwang, Filter installiert wurden. Und das vor der Regierungszeit von Rot-Grün! Was hat die Autoindustrie gejammert, als sie (NICHT von den Grünen!) zum Einbau von Katalysatoren gezwungen wurde. Als ob ihr Untergang bevorstünde; heute steht sie besser da als je.

    Auch die Chinesen werden es sich nicht ewig gefallen lassen, den Feinstaubfilter für den Rest der Welt zu spielen. Auch deren Diktatur wird daran nichts ändern, wir hatten vor 70 Jahren auch noch keine Demokratie.

    Allerdings muss der Protest gegen die billige Massenproduktion aufrecht erhalten werden. Da kann jeder von uns mit seinem eigenen Konsumverhalten einen Beitrag leisten. Keine billigen Wegwerfprodukte, sondern Markenprodukte kaufen! Auf faire und umweltverträgliche Produktion achten!

    Aber bitte keine Schwarzmalerei, die spielt nur den Betonköpfen in die Hände.

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