Solar-Branche
Der Sonnen-König von Sulzemoos

Vom Idealisten zum Börsenprofi: Andreas Hänel führt Phoenix Solar, den Senkrechtstarter der Branche. Das Unternehmen ist einer der größten Fachgroßhändler für Photovoltaikmodule und baut europaweit Sonnenkraftwerke.

SULZEMOOS. Andreas Hänel liebt diesen Citroën-Werbespot: Ein futuristisches Concept-Car braust schnittig durch Barcelona. Wirklich angetan ist der 49-jährige vor allem von der Szene, in der der rote Flitzer an einem gigantischen Solarsonnensegel vorbei fährt, das längst als heimliches Wahrzeichen der katalanischen Hauptstadt gilt. Dann freut sich Andreas Hänel jedes Mal aufs Neue. Nicht nur, weil die Phoenix Solar AG, deren Vorstandsvorsitzender er ist, das Sonnensegel geplant hat und bei der Projektabwicklung beteiligt war. Vielmehr ist es ihm eine innere Genugtuung: Ausgerechnet ein Automobilkonzern setzt ein Thema in einem Werbefilm in Szene, für das der Ingenieur seit mehr als 25 Jahren lebt und kämpft.

Es treibt ihn an: Der Klimaschutz und die Idee, aus Sonne Strom zu gewinnen. Was nach Wackersdorf, Müsli und 80er-Jahre-Widerstand klingt, hat der Mann, der Krawatten verweigert, zur Kernaufgabe seiner am Tec-Dax notierten Aktiengesellschaft gemacht. Phoenix Solar ist mittlerweile einer der größten Fachgroßhändler für Photovoltaikmodule, der nebenbei europaweit Kraftwerke baut, die aus Sonnenlicht Strom machen.

"Ich bin ein Kind der Umweltbewegung", sagt Hänel. Deshalb entschließt er sich 1986 nach dem Maschinenbaustudium, Fachrichtung Luft- und Raumfahrtechnik, nicht bei einem Rüstungskonzern anzuheuern, sondern stattdessen noch Umweltschutztechnik in München zu studieren. Danach arbeitet er auf Honorarbasis bei der Münchner Projektentwicklungsgesellschaft WIP, und zwar erstmals an einem Klimaprojekt: Solarpumpen für die Sahelzone.

Der ehemalige Karate-Ka der Junioren-Nationalmannschaft, der es genießt, morgens um fünf Uhr mit dem Fahrrad ins Büro zu strampeln, gewinnt Mitte der 90er Jahre das von der Europäischen Union geförderte Projekt "Phoenix PV", das auf die gleichnamige Solarinitiative des Bundes der Energieverbraucher zurückgeht. Fortan macht Hänel Handwerkern Sonnenkollektoren für die Warmwasser-Aufbereitung schmackhaft, um den Markt für das Geschäft mit der Sonne zu ebnen. Der Stratege hat mit dieser Initiative Erfolg. Bis 1999 gelingt es ihm, weit mehr als 20 000 Solaranlagen zu verkaufen. Die Initiative steigt zur größten Solar-Bewegung Europas auf.

Ermutigt durch weitere Erfolge gründet er im November 1999 mit 20 Aktionären die Phönix Sonnen AG. -Strom Im Rückblick betrachtet Andreas Hänel, der sein Wohnhaus eigenhändig baubiologisch renoviert hat, die Startphase als spannende aber ebenso sehr intensive Zeit. "Sie stehen das nur durch, wenn sie an die Sache glauben und bereit sind, finanzielle Einschnitte hinzunehmen", sagt der Firmenchef. Als Mädchen für alles schrieb er Angebote, Überweisungen und kletterte auch selbst auf Hausdächer, um Solarmodule zu montieren. Immer das Ziel vor Augen: Die kleine AG voranzutreiben und die erneuerbare Energiegewinnung wirtschaftlich rentabel zu machen.

Das ist in den neun Jahren seit der AG-Gründung gelungen. Den Umsatz von Phoenix Solar hob Hänel von vier Mill. Euro in 2000 auf 260 Mill. Euro im vergangenen Jahr an. Das ist grob gesagt das 65-Fache. Als Ziel für 2010 peilt der Großhändler einen Umsatz von einer halben Mrd. Euro an. Der Aktienkurs bewegt sich steil nach oben und hat sich in neun Jahren mehr als verhundertfacht. Im April spülte eine Kapitalerhöhung weitere 21 Mill. Euro in die Kassen des Unternehmens. "Geld für die internationale Ausrichtung", erläutert Andreas Hänel, der in solchen Momenten fast klingt wie ein normaler Manager. Er setzt auf Dünnschichtmodule statt kristalline Solarzellen und will bis in zwei Jahren den Exportanteil von 27 auf mehr als 50 Prozent steigern. Asien beispielsweise, das zu den starken Wachstumsmärkten gehört, will Phoenix Solar über eine eigene Niederlassung in Singapur erschließen.

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