Solarstrom
Deutsche sammeln die Sonne in Spanien

Solarkraftwerke sollen billig und umweltfreundlich Strom produzieren. Das erste Solarkraftwerk in Andalusien liefert Strom für 50 000 spanische Haushalte. Experten sagen der Solarenergie eine rosige Zukunft voraus. Auch die Auftragsbücher deutscher Unternehmen sind gut gefüllt.

GRANADA. Der knallblaue Winterhimmel Andalusiens und die schneebedeckte Bergkette der Sierra Nevada bieten ein majestätisches Panorama für das erste kommerziell betriebene Solarkraftwerk Europas. In 84 Reihen schlängelt sich eine 23 Kilometer lange Kette gigantischer Parabolspiegel, jeder zwölf Meter lang und zwei Quadratmeter groß, über die sandige Hochebene nahe Granada. Ab Mai wird die von diesen Spiegeln aufgefangene Sonneneinstrahlung in 180 Gigawattstunden Strom pro Jahr umgewandelt, genug, um 50 000 spanische Haushalte zu versorgen.

"Andasol I" ist weltweit das zweite Parabolrinnenkraftwerk in dieser Größe, das erste steht im US-Bundesstaat Nevada eröffnet, über 90 Solakraftwerksprojekte sind in der Planung. Spanische wie deutsche Firmen sind Hauptnutznießer dieses Booms, und Spanien ist der dominante Standort für diese Kraftwerke. Damit sich ein Parabolrinnenkraftwerk lohnt, ist eine intensive, ausdauernde Sonneneinstrahlung nötig, und die gibt es in Spanien - im Schnitt 2 300 Stunden im Jahr, 900 sind es in Deutschland.

Weil Spanien durch Einspeisevergütungen günstige Bedingungen schuf, konnten sich spanische Unternehmen an die Weltspitze bei erneuerbaren Energien setzen, auch in der Solarthermie. Andasol I, das eine Gesamtinvestition von 260 Mill. Euro erforderte, wird vom Mischkonzern ACS mit der deutschen Firma Solar Millenium als Minderheitspartner betrieben. Und hinter den Projekten auf dem Reißbrett stehen größtenteils spanische Betreiber wie ACS und der Energiekonzern Abengoa.

In der Zukunft sehen Experten vor allem in den USA eine rosige Zukunft für die Solarenergie. Ein Gesetz, das die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien durch Steuervorteile fördert, ist dort auf dem Weg. Schon jetzt gibt es einige Projekte für Parabolrinnenkraftwerke in den USA, die eine sehr viel größere Leistung haben werden als Andasol oder Nevada. Das andalusische Energieunternehmen Abengoa plant ein Megaprojekt in Arizona - ein Parabolrinnenkraftwerk mit einer Leistung von 280 MW.

Deutschland "hat einen technischen Vorsprung im Bereich der Solarenergie", sagt Kai Christian Fischer, Rechtsanwalt der renommierten spanischen Anwaltskanzlei Cuatrecasas. In Andasol I stammen die präzisionsgebogenen Parabolspiegel ausschließlich von der deutschen Firma Flabeg, die bisher weltweit als einziger über das Know-how dafür verfügt. Einen großen Teil der mehr als 20 000 Receiver von Andasol I lieferte Schott. Der Mainzer Konzern teilt sich mit einem Konkurrenten aus Israel den gesamten Weltmarkt für diese durch eine extrem widerstandsfähige Glashülle isolierten Stahlrohre, welche die Sonnenstrahlung in Wärme umwandeln.

Entsprechend fröhlich stimmt den Schott-Chef Udo Ungeheuer der Gedanke an seine Auftragsliste für die nächsten Jahre. Vor allem dank des Solar-Geschäfts, das künftig einen großen Teil des Schott-Geschäfts ausmachen soll, erwartet Ungeheuer bis 2010 einen Umsatz von 3,5 Mrd. Euro, eine Mrd. mehr als dieses Jahr.

Er ist überzeugt, dass "diese Solartechnologie in zehn bis fünfzehn Jahren schon nicht mehr auf eine Einspeisevergütung angewiesen sein wird". Auch Solarspezialisten der Western Gouvernor?s Association, in der sich die Gouverneure von 19 US-Bundesstaaten zusammengeschlossen haben, gehen davon aus, dass Parabolrinnenkraftwerke bis 2015 Strom für höchstens zehn Cent pro Kilowattstunde erzeugen können - deutlich weniger als deutsche Haushalte derzeit bezahlen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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