Sondergutachten
Forscher schlagen globale Klimaformel vor

Der wissenschaftliche Beirat für globale Umweltveränderungen warnt davor, die Anstrengungen zum weltweiten Klimaschutz zu vernachlässigen. In einem Sondergutachten für die Bundesregierung fordern sie drastische Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel. Dabei schlagen sie eine Begrenzung des C0-2-Ausstoßes pro Kopf vor.
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BERLIN. In einem Sondergutachten, das das Gremium am Dienstag der Bundesregierung übergab, betonen die Forscher, dass die globale Durchschnittstemperatur bis 2050 auf keinen Fall um mehr als zwei Grad steigen dürfe. Erreichen lasse sich dies nur, "wenn die Summe der globalen CO2-Emissionen bis 2050 limitiert wird", wie es in dem Gutachten heißt.

Im Dezember verhandelt die internationale Staatengemeinschaft in Kopenhagen über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen. "Wir machen uns große Sorgen, dass die Klimakonferenz nicht die nötigen Erfolge bringt", sagte Dirk Messner, stellvertretender Beiratsvorsitzender. Die Forscher plädieren dafür, den Ausstoß von Klimagasen bis 2050 mit einem "Globalbudget" auf 750 Mrd. Tonnen zu begrenzen. Entsprechend soll jedes Land gemäß der Einwohnerzahl Rechte erhalten. Einen ähnlichen Vorschlag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel unterbreitet, um die bevölkerungsreichen Schwellen- und Entwicklungsländer für ein globales Klimaabkommen zu gewinnen. Derzeit würde die Weltgemeinschaft bis 2050 rund 1 100 Mrd. Tonnen ausstoßen.

Konkret sollen Staaten, die mehr als 5,4 Tonnen CO2 pro Kopf erzeugen, bis 2020 ihre Werte um die Hälfte senken. Dazu gehören die Industrieländer, aber auch Südafrika und Iran. Staaten wie China, Mexiko und Tunesien, die mehr als 2,7 Tonnen pro Kopf emittieren, müssten ihre Emissionen stabilisieren und nach 2020 senken. Indien, Brasilien und viele Staaten Afrikas müssten ihren Kohlendioxid-Ausstoß nur weniger stark wachsen lassen.

Zudem müssten weitere Anstrengungen unternommen werden, damit die Erderwärmung nicht mehr als zwei Grad bis 2050 beträgt. Dazu sollten die Staaten "Dekarbonisierungspläne" mit einem Zwischenziel für 2020 erstellen. Um alles zu überprüfen, soll eine "Weltklimabank" eingerichtet werden. Sie soll völkerrechtlich verbindlich einen "Vermeidungsfonds" verwalten. "Wir müssen aus dem fossilen Zeitalter raus", sagte Messner.

Der Beirat geht davon aus, dass die Industriestaaten ihre Verpflichtung nur einhalten können, wenn sie von anderen Staaten Emissionsrechte kaufen. Die Forscher veranschlagen die Kosten pro Jahr auf 30 bis 90 Mrd. Euro. Einsparungen könnten über den internationalen Emissionshandel erreicht werden, aber auch über private Investitionen, etwa im Bereich Maschinenbau.

Grundsätzlich begrüßte die Bundesregierung das Konzept. "Es wird aber schwierig, es durchzusetzen", sagte Matthias Machnig, Staatssekretär im Umweltministerium. Zum einen sei ein internationaler Emissionshandel kurzfristig nicht realistisch. Zum anderen fürchteten Entwicklungsländer Öko-Imperialismus. Sie fordern Finanzhilfen. Dazu ist ein Fonds geplant, in den die Industrieländer einzahlen und so Projekte in Entwicklungsländern finanzieren.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

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