Sonnenfinsternis
Einfach mal wegschauen

Die Gefahr durch die Sonnenfinsternis ist ein Skandal, den unsere Gesellschaft nicht akzeptieren sollte. Doch da die Politik quer durch alle Parteien schweigt, müssen wir selber die Initiative ergreifen.
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Die gute Nachricht zuerst: Wer den Millennium-Bug und den Maya-Kalender überlebt hat, darf sich gute Chancen ausrechnen, auch die Sonnenfinsternis am Freitag unbeschadet zu überstehen. Auch wenn die Begleiterscheinungen zu diesem Naturereignis das Zeug zu einem handfesten Skandal haben.

Tatsächlich gehört die Sonne zu den gefährlichsten Umweltgiften auf unserem Planeten. Sie verbrennt unsere Haut, trocknet Landstriche aus, sorgt mit heftigen Eruptionen für Sonnenstürme, die Satelliten und Stromnetze gefährden, und macht sich einen Spaß daraus, mit azyklischen Schwankungen jedes halbwegs durchdachte Modell zum Klimawandel über den Haufen zu werfen.

Und weil sich niemand verantwortlich fühlt, darf so etwas seit viereinhalb Milliarden Jahren unkontrolliert vor sich hin scheinen. Wobei ein Ende noch nicht absehbar ist. Unterdessen sind in – nach kosmischen Maßstäben – Steinwurfweite Milliarden Menschen den Launen des Gestirns hilflos ausgeliefert.

Dass wir nun mit einem banalen Bedeckungsereignis verführt werden sollen, unser Augenlicht zu riskieren, passt da ins Bild. Glücklicherweise haben sich im Vorfeld des leidigen Spektakels einige besorgte Stimmen erhoben, denen unser Wohlergehen nicht gleichgültig ist.

So warnen etwa Augenärzte vor dem ungeschützten Blick in die Sonne, der übrigens nicht nur bei Sonnenfinsternis zu Erblindung führen kann. Stromnetzbetreiber verweisen auf die Gefahr eines möglichen Black-outs, wenn Solaranlagen plötzlich weniger Strom liefern – und geben dann doch vorsichtig Entwarnung, weil es ja bewölkt sein könnte. Und besorgte Schulleiter sperren ihre Schüler während der kritischen Zeit am Freitagvormittag in die Klassenräume, damit sie nicht vom Schulhof aus in ihr Verderben starren.

 

Von den besonderen Gefahren einer Sonnenfinsternis wüsste auch ein Eisbär auf Spitzbergen zu berichten, wenn er sein Abenteuer mit einem mutmaßlichen Sofi-Touristen überlebt hätte. Doch sein Besuch im Zelt des Mannes endete für beide Seiten unbefriedigend: Der Mann kam mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus, der Bär wurde erschossen.

Die Beispiele zeigen: Die Risiken einer ungeregelten Sonnenfinsternis sind für die Gesellschaft auf Dauer nicht akzeptabel. Umso beschämender ist das Schweigen unserer Volksvertreter in dieser Angelegenheit, das sich quer durch alle Parteien zieht. Bis zur nächsten partiellen Finsternis im Jahr 2022 erwarten wir hier klare Konzepte und wirkungsvolle Initiativen. Und spätestens zur nächsten totalen Sofi im Jahr 2081 sollte das Problem ganz aus der Welt sein. Bis dahin hilft nur: Einfach mal wegschauen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

Kommentare zu " Sonnenfinsternis: Einfach mal wegschauen"

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  • Sonnenfinsternis, was ist das überhaupt ?
    Darf dann erst recht in die Finsternis geschaut werden ?
    Oder muss dann der Strom abgestellt werden, damit die Stromleitungen nicht überlastet werden und der Verbraucher sich Sorgen machen müssen, um ihren Kühlschrank, Fernseher, Tieffkühltruhe etc., Denn dann würden erhebliche Stromschwankungen auftreten, die die großen Energieerzeuger nicht mehr auffangen könnten. Welch ein Dilemma. Dass die Politik den Ungereimtheiten des Planeten Sonne noch nicht Herr geworden ist,könnte das vielleicht am Merkelitismus liegen? Tja, was mache denn dann die Tiere, die auch auf den Planeten Erde leben? Sparen die vielleicht auch Energie, indem die sich in ein Erdloch verkriechen oder "Der Strom kommt aus der Leitung" ?? Oder ist die Leitung zwischen Politiker und Sonne unterbrochen wurden, weil keine Verbindung zustande kam ??? Hat da jemand am Schalter gespielt ????

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