Spezial: Energie
Dünne Folie: Nanosolartechnik

Der Österreicher Martin Roscheisen will in großem Stil Solarzellen bauen, die ohne Silizium auskommen. Das ist an sich nicht ungewöhnlich. Doch bisher existiert nur eine Fertigung im Labormaßstab. Trotzdem will Roscheisen noch in diesem Jahr die Großserienproduktion aufnehmen. Für diese Entwicklung brauchten Konkurrenten stolze fünf Jahre.

Nanosolar hat eine Technik übernommen, die Chris Eberspacher, einst Leiter der Siemens-Solarforschung in den USA, entwickelt hat. Eberspacher, seit knapp zwei Jahren Vice-President of Engineering bei Nanosolar, will das Sonnenlicht in einer hauchdünnen Schicht aus Kupfer, Indium, Gallium und Selen - kurz CIGS - in Strom umwandeln. Statt diese Schicht in einem Hochvakuum aufzudampfen - ein teures und zeitraubendes Verfahren -, stellt Eberspacher CIGS-Teilchen im Nanoformat her und vermischt sie mit einem Lösungsmittel. Mit einer Art Drucker beschreibt er mit dieser Energietinte eine dünne Endlos-Metallfolie. Nach der Aushärtung der Schicht in einem Ofen ist die Grund-struktur der Zelle fertig.

Ähnliche foto-voltaische Schichten nutzen neben Würth Solar die ebenfalls deutschen Unternehmen Sulfurcell, Antec Solar und Johanna Solar Technology sowie der US-Hersteller First Solar. Roscheisen will sie alle in einem Parforce-Ritt überholen und in Rekordzeit die größte Solarfabrik der Welt aufbauen. Jährlich soll sie Zellen mit einer Spitzenleistung von 430 Megawatt fertigen. Die Module, also die kompletten Stromerzeuger, die beispielsweise aufs Dach montiert werden, sollen in Luckenwalde bei Berlin zusammengebaut werden.

"Ein guter Ansatz", lobt Michael Powalla, Physiker im Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart, das die Dünnschicht-Technologie für Würth Solar mitentwickelt hat. "Dass die Serienfertigung so schnell wie versprochen aufgebaut werden kann, ist zweifelhaft." Im Übrigen könne man davon ausgehen, dass der Wirkungsgrad der Module niedriger ausfalle als der von Konkurrenzprodukten.

Tatsächlich hat der Österreicher den Mund sehr voll genommen. In einem Punkt aber hat er Erfolge zu verbuchen - bei der Finanzierung. Bisher sammelte er 100 Millionen Dollar ein, unter anderem vom Wagnisfinanzierer Benchmark Capital, der einst mit seiner Investition in Ebay goldrichtig lag. Aber auch die Milliardäre und SAP-Gründer Klaus Tschira und Dietmar Hopp sowie die Google-Manager Larry Page und Sergey Brin unterstützen Nanosolar.

Bleibt nur noch der blitzschnelle Aufbau einer Farbik. "Klar, das ist eine Herausforderung. Sonst könnte es ja jeder", sagt Roscheisen Skeptikern und verweist auf die zahlreichen Patente, die sein Unternehmen hält. Für die Realisierung des Projekts hat er Werner Dumanski gewonnen, der zuletzt bei IBM für die weltweite Fertigung von Computerfestplatten und insgesamt 12 000 Mitarbeiter zuständig war. Bei Nanosolar hören derzeit nur 50 Menschen auf sein Kommando, fast ausschließlich Ingenieure und Wissenschaftler.

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