Stadtentwicklung
Heidelbergs Zukunft liegt am Fluss

Heidelberg streitet um 20 000 Autos täglich: So groß ist das Verkehrsaufkommen auf der Bundesstraße 37, die den Neckar von der historischen Altstadt trennt. Ein Tunnel soll die tägliche Blechlawine unter die Erde befördern - doch das Jahrhundertprojekt trifft auf heftigsten Widerstand.

HEIDELBERG. „Stadt an den Fluss“ - das ist eines der zentralen Themen, über die Heidelberg derzeit diskutiert. Und das millionenschwere Bauprojekt wird die Stadt auch in den kommenden Jahren noch beschäftigen – und ihre Bürgerschaft trennen. Auf der einen Seite stehen der parteilose Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner und die Mehrheit des letzten Stadtrats. „Das ist ein Jahrhundertprojekt für viele Generationen“, so Würzner, der mit seinen Mitstreitern die vielbefahrene Bundesstraße 37 unter die Erde verlagern will: Die Trasse schneidet heute die Stadt vom Neckar ab. Mehr als 20 000 Autos, Busse und Lastwagen durchqueren täglich Heidelberg auf der Achse und verhindern, dass Touristen und Einheimische mit Blick auf das Schloss idyllisch am Neckar flanieren können.

Das große Vorbild dieser Fraktion ist Düsseldorf, das 1995 die Bundesstraße 1 in einen Tunnel verbannt hatte. Darüber erstreckt sich nun die Rheinuferpromenade, die Düsseldorfs zentrale Lagen am Rhein enorm belebt hat. Der Neckarufertunnel ist die wichtigste – und teuerste – Komponente der Heidelberger Pläne. Ab 2012 soll er gebaut werden, die Eröffnung der neu gestalteten Promenaden ist für 2018 vorgesehen. Läuft alles wie geplant, spazieren dann oben die Menschen, während der Verkehr entlang der Altstadt unterirdisch fließt.

Dagegen formiert sich aber auch der heftigste Widerstand, der von den grünen Fraktionen – Grüne und GAL -, der Linken und verschiedenen Bürgerinitiativen sowie einzelnen FDP-Mitgliedern getragen wird. Sie monieren die hohen Kosten von rund 180 Millionen Euro, von denen die Stadt mindestens ein Drittel tragen müsste: „Das Finanzierungskonzept ist mit heißer Nadel gestrickt worden“, kritisierte beispielsweise Annette Trabold von der FDP. Ins gleiche Horn stieß der Spitzenkandidat der Linken Bernd Zieger: „Wir wollen keinen Neckarufertunnel wegen der extrem hohen Ausgaben. In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise müssen klare Prioritäten im Sozialen, bei der Ökologie und Kultur gesetzt werden.“

Eckart Würzner hält dem entgegen: „Natürlich kommen Kosten auf Heidelberg zu, weshalb wir an anderer Stelle sparen müssen. Das Projekt ist aber auch wegen der großen Zuschüsse machbar.“ Die Einsparungen geschähen aber keinesfalls auf Kosten der Bildung oder der Schulsanierung, was viele Kritiker fürchten.

Kritiker wie Wolfgang Gallfuß von der Bürgerinitiative „Stadt am Fluss – ohne Neckarufertunnel“ zweifeln aber auch am Nutzen des Projekts: „Der geplante Tunnel beseitigt den Autoverkehr nicht, sondern versenkt ihn nur für eine kurze Wegstrecke unter die Erde. Mindestens 4 500 Autos fahren weiterhin täglich in die Altstadt. Das Neckarufer wird nur auf wenigen Metern zur autofreien Fußgängerzone.“

Stattdessen schwebt ihm und seinen Mitstreitern eine kostengünstigere Alternative vor: „Stadt am Fluss – light“. Sie wollen den Bereich durch schwimmende Pontons und Cafés am Ufer freundlicher gestalten: „Die Kosten dafür betragen maximal fünf Prozent des Neckarufertunnels“, so Gallfuß. Die Autos aber blieben an der Oberfläche, weshalb die Tunnelbefürworter von ihrer Maßnahme überzeugt sind: „Nur ohne den Durchgangsverkehr wird die gesamte historische Altstadt von Heidelberg aufgewertet und sich echte Erholung einstellen. Durch das Projekt verringern wir das Aufkommen tatsächlich auf wenige 100 Autos täglich, bei denen es sich um reinen Anwohnerverkehr handelt“, so Würzner.

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