Stadtverkehr
Mehr Platz für Menschen

Mehr als 40 Millionen PKW rollen über deutsche Straßen. Für Stadtplaner bedeuten die Blechlawinen eine besondere Herausforderung: Denn innerstädtische Verkehrplanung muss heute mehr im Blick haben als einen möglichst reibungslosen Verkehrsfluss.

DÜSSELDORF. Auf Deutschlands Straßen sind gut 41 Millionen PKW unterwegs. Sie stauen sich Tag für Tag auf den Autobahnen und in den Städten. Die öffentlichen Verkehrsmittel, die die Straßen entlasten sollen, gelten oft als teuer und unzuverlässig. Dabei wäre ein Umstieg auf alternative Transportmittel dringend nötig: Der Autoverkehr verursacht 20 Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen. Und jedes Jahr wächst die Zahl der Autos in Deutschland um etwa drei Millionen.

Es gibt also viele gute Gründe, sich über den Stadtverkehr der Zukunft Gedanken zu machen. Doch wie „intelligenter Verkehr“ wirklich aussieht, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Für die einen geht es vor allem darum, die wachsenden Massen von Fahrzeugen flüssiger durch die Straßen zu leiten. So beschäftigen sich etwa die Forscher am Lehrstuhl für Verkehrswesen der Ruhr-Uni Bochum mit intelligenten Ampelschaltungen, die sich an die aktuelle Verkehrslage anpassen sollen.

„Eine gute Ampelschaltung sorgt dafür, dass sich die Haltezeiten der Fahrzeuge minimieren“, sagt RUB-Forscher Thomas Wietholt. „Denn das ständige Anhalten im Stadtverkehr verursacht hohe Schadstoffemissionen.“ Schon heute registrieren die meisten Ampelanlagen, ob etwa gerade viele Autos anrollen und eine längere Grünphase nötig ist. Doch die Bochumer Forscher wollen nicht nur einzelne Anlagen steuern, sondern ganze Netzwerke von Ampeln bilden – die dann online mit Verkehrsdaten gefüttert werden.

Gerade haben sie ein solches System in Münster getestet und für gut befunden. Der Verkehr auf der getesteten Strecke laufe erheblich flüssiger, berichtet Wietholt. Andernorts allerdings hat man die so genannten adaptiven Steuerungen wieder abgeschaltet - noch ist die Technik offenbar recht störanfällig.

Wietholt glaubt trotzdem, dass der adaptiven Ampelsteuerung die Zukunft gehört – möglichst vernetzt mit Hinweistafeln, die vor Staus und vollen Straßen warnen. Davon abgesehen habe man nicht viele Alternativen, um den Stadtverkehr zu steuern, meint er: „Die Straßengrößen sind vorgegeben, und man kann die Straßen auch nicht einfach über- oder untereinander hinwegführen.“

Genau deswegen sind intelligente Ampelschaltungen für andere Verkehrsforscher nur ein Teil des großen Ganzen. Dirk Vallée etwa denkt außerdem an umweltfreundliche Antriebe wie Elektromotoren – die seien für den Stadtverkehr ideal geeignet, findet der Forscher vom Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr an der RWTH Aachen.

Außerdem fordert er umweltfreundlichen und günstigen Nahverkehr in Kombination mit Angeboten wie Leihfahrrädern, Car-Sharing oder Park-and-Ride-Möglichkeiten. Hohe Park- oder Mautgebühren sollen wiederum das Autofahren in der Stadt unattraktiv machen - „eine klassische push-and-pull-Strategie“, sagt der Verkehrsforscher.

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