Städtebau
Eine Stadt im Hochhaus

300 000 Menschen unter einem Dach: Die Idee, eine moderne Großstadt in einem einzigen Hochhaus unterzubringen, ist derzeit noch reine Utopie. Doch eines Tages könnte sie wahr werden. Wie, das zeigt das visionäre Projekt eines US-Millionärs.

DÜSSELDORF. Geht es nach Orville Simpson II, dann wird die Stadt der Zukunft gerade einmal 7,5 Quadratkilometer Platz einnehmen. Der Millionär aus Cincinnati, Ohio, träumt von einer Stadt im Hochhaus. Seit über 50 Jahren bastelt Simpson an seiner Vision von der „Victory City“, auf seiner Homepage hat er Unmengen detaillierter Zeichnungen gesammelt, die die Utopie in Bilder fassen. Nur eine reale „Victory City“ gibt es nicht – bis heute fanden sich nicht genug Investoren, um die „Victory City Corporation“ zu gründen, die die Hochhaus-Stadt einmal steuern soll.

Dabei scheint auf den ersten Blick alles so einfach und logisch: Die Victory City nimmt nur einen Bruchteil der Fläche gewöhnlicher Städte in Anspruch. Auf engstem Raum können 300 000 Menschen leben und arbeiten. Sie müssen keine weiten Arbeitswege mehr in Kauf nehmen und können dabei noch die Umwelt schonen, weil Autos überflüssig sind.

In der direkten Umgebung der Hochhaus-Stadt sind Farmen und Fischzuchten angesiedelt, so dass die Versorgung mit Lebensmitteln aus der Region gesichert ist. Simpson ist überzeugt, dass seine Victory City den Menschen einen höheren Lebensstandard erlauben würde – bei deutlich geringerem Verbrauch von Ressourcen.

Doch womöglich brütet der Mann schon zu lange über seiner Vision. Inzwischen hat er nämlich detaillierte Pläne zur Nahrungsversorgung, zu Zahlungsmitteln, zum Schul-, Post- und Sicherheitssystem ausgearbeitet, die ziemlich diktatorisch anmuten. Er stellt sich vor, dass alle Einwohner nur noch in gigantischen Cafeterien speisen. Küchen sind in den voll möblierten Appartements gar nicht erst vorgesehen.

Es soll auch kein Geld mehr geben in der Victory City, sondern nur noch elektronische Zahlungsmittel – das soll Diebstähle verhindern. Und alles, von den Schulen über die Sicherheitsbehörden bis zu den Fernsehprogrammen, soll von der allmächtigen Victory City Corporation gesteuert werden.

Einen „Orvill’schen Traum“ nannte die Dayton Daily News das Projekt in einem Portrait über Simpson. Und es ist eigentlich kein Wunder, dass dieser Traum kaum Mitträumer findet, die bereit wären, das Riesenprojekt auf die Beine zu stellen.

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