Stiftung Warentest: Nur zwei von drei Ökostromtarifen nützen der Umwelt

Stiftung Warentest
Nur zwei von drei Ökostromtarifen nützen der Umwelt

Wer einen Ökostromtarif wählt, der möchte seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten und die Energiewende vorantreiben. Doch nicht alle Ökostromtarife sorgen für wirklich mehr grüne Energie.
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Berlin/DüsseldorfNicht überall, wo Öko draufsteht, ist auch Öko drin: Bei einem Test von 19 Ökostromtarifen hat die Stiftung Warentest ermittelt, dass nur 13 Angebote einen Nutzen für die Umwelt haben. Nur bei diesen Tarifen sorge der Anbieter dafür, dass zum Beispiel in neue Wind- oder Wasserkraftanlagen investiert werde, heißt es in der Februar-Ausgabe des Magazins „Test“ laut Vorabbericht.

Andere Stromanbieter trennen ihren vorhandenen Energie-Mix einfach in konventionellen Strom und Ökostrom. Besitzt ein Energieanbieter beispielsweise ohnehin ökologische Sonnen-, Wind- und Wasserkraftwerke, kann es den von diesen Kraftwerken produzierten Strom als Ökostrom verkaufen, ohne in alternative Energien zusätzlich zu investieren. Allerdings sei Ökostrom sogar häufig günstiger als Normalstrom.

„Sehr stark“ ökologisch engagiert und zusätzlich mit „guten“ Vertragsbedingungen sind dem Testbericht zufolge die Tarife der unabhängigen Ökostromanbieter EWS Schönau (Tarif Sonnencent 0,5), Lichtblick (Lichtblick-Strom) und Naturstrom. Greenpeace Energy (Privatkundentarif) sei ebenfalls „stark engagiert“, die Tarifbedingungen aber nur „befriedigend“.

Nur bei diesen vier unabhängigen Ökostromanbietern geht das Geld nicht an ein Unternehmen, das auch Atom- und Kohlestrom verkauft, teilt die Stiftung Warentest mit. Dennoch gäbe es auch bei konventionellen Energieversorgern Tarife, die ein „sehr starkes“ oder „starkes“ ökologisches Engagement des Anbieters erkennen lassen, sieben engagieren sich hingegen nur „schwach“.

Wer noch nie seinen Stromtarif gewechselt hat, steckt in der Grundversorgung, dem meist teuersten Tarif. Im Januar 2012 zahlt eine Familie mit 4000 Kilowattstunden Verbrauch im Grundversorgungstarif des örtlichen Stromanbieters im Schnitt 1046 Euro. Für einen Ökotarif mit Gütesiegel dagegen nur 1010 Euro.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Stiftung Warentest: Nur zwei von drei Ökostromtarifen nützen der Umwelt"

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  • Verstehe ich: Strom aus Gas in einem grossen effizienten Kraftwerk durch E.ON = schlecht; Strom aus Russen-Gas in einem dezentralen Keller mit Subvention durch die "old econonomy" durch LichtBlick = super gut und ökologisch.

    Und, das Durchhandeln von chinesischen Solarpanels für hochsubventionierte norddeutsche Solardachflächen schafft doch Arbeitsplätze oder? Ich frage mich nur, was passiert wenn jemand merkt, dass der Kaiser gar keine Kleider anhat.

  • Bei Lichtblick kommt der grüne Strom (kalkulatorisch) überwiegend aus ausländischer Wasserkraft. Dies führt dazu, daß in den Bezugsländern Norwegen und Österreich verstärkt konventionell erzeugter Strom und Kernkraft verbraucht (bzw. abgerechnet) wird.

    Dieser Verdrängungseffekt allein ist ökölogisch natürlich genauso Mumpitz, wie die rechnerische Aufteilung in grünen und bösen Strom bei "konventionellen" Stromanbietern.

    Allerdings muß man Lichtblick zugute halten, daß sie mit dem Aufbau einer dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung (Zuhausekraftwerke) eine interessante Innovation betreiben. Bis dies einen nennenswerten Effekt auf den Strommix haben wird, wird sicherlich noch eine Weile vergehen.

    Letzteres war für mich der eigentliche Grund, mein Geld nicht mer den großen Vier in den Rachen zu werfen, sondern zu Lichtblick zu wechseln.

  • In Zukunft wird mit der Wind-to-Gas-Technologie ein Erdgasäquivalent zur Verfügung stehen. So kann in Überschusszeiten wo heute Windanlagen abgeschaltet werden müssen und der Strompreis an der Börse völlig zusammenbricht Strom in Erdgas umgewandelt und für Wochen im vorh. Gasnetz eingespeichert und bedarfsgerecht wieder ausgespeichert werden.
    Zum Preis des grünen Lifestyle und zur leistungs- und wettbewerbsfähigen Wirtschaft ist zu sagen:
    Die komplexen Zusammenhänge aus der Kosten- und Nutzenwirkung erneuerbarer Energien hat das Bundesumweltministerium in einem mehrjährig angelegtem wissenschaftliches Vorhaben durch ein vom Fraunhofer ISI geführtes Projektteam untersuchen lassen.
    Ergebnis: Im Jahr 2008 standen 6 Mrd. Euro für systematische Kosten durch erneuerbare Energien 8 Mrd. Euro Nutzen allein durch vermiedene Umweltschäden gegenüber.
    Fazit: Die Erneuerbaren sind ein volkswirtschaftlicher Gewinn.
    Zusätzlich gibt es viele weiter Vorteile. So zeigt die Beschäftigungsentwicklung in der Erneuerbaren-Energie-Branche von 1998-2009 zu anderen ausgewählten Branchen einen klaren Trend:
    Elektrizitätsversorgung -17%, Kernenergie -21%, Braunkohlebergbau -35%, Erdgasversorgung -44%, Steinkohlebergbau -63%, Erneuerbare Energien +415%. Dabei gab es 2009 bei den Erneuerbaren Energien bereits ca. 80.000 mehr Beschäftigte als in den anderen Branchen zusammen. Im Jahr 2010 arbeiteten schon 367.400 Menschen im Bereich erneuerbarer Energien. Tendenz weiter steigend! Es mehren sich die Anzeichen an der Strombörse in Leipzig dafür, dass zeitweise der Strompreis durch Wind- und Sonnenenergie tagsüber auf den Preis von Nachtstrom einbricht.

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