Strategiewechsel der Windkraftbranche
Windbranche erweist sich als wasserscheu

Weil sich viele Offshore-Pläne als unrentabel erweisen, setzt eine Reihe von Windmüllern nun auf wachsende Ersatzinvestitionen an Land. Vor allem der Austausch alter, kleinerer Maschinen durch neue, leistungsstarke Rotoren, soll die Windkraft voran bringen.

DÜSSELDORF. Die Windkraftbranche in Deutschland vollzieht einen Strategiewechsel: In der Diskussion um die Zukunft der Windkraft rücken wieder die Anlagen an Land stärker ins Blickfeld. Vor allem der Austausch alter, kleinerer Maschinen durch neue, leistungsstarke Rotoren, soll die Windkraft voran bringen. Im so genannten Repowering, der Substitution von Altanlagen durch erheblich leistungsstärkere Maschinen, soll das wesentliche Ausbaupotenzial der kommenden Jahre liegen. Die neue Freude am Landrotor ist durchaus bemerkenswert: Schließlich galten über viele Jahre hinweg die Offshore-Windkraftanlagen auf hoher See als die große Hoffnung unter den erneuerbaren Energien.

Dass auf den Meeren – auch im deutschen Seegebiet – starke Winde üppige Stromerträge bringen könnten, ist zwar weiterhin unstrittig. Doch es wird in jüngster Zeit immer deutlicher, dass bei den in Deutschland herrschenden Einspeisevergütungen die Anlagen keine ausreichende Rendite bringen, um Investoren den Weg aufs Wasser wirklich schmackhaft machen zu können. „Offshore-Windenergie wird und muss kommen, aber die große Euphorie ist vorbei“, sagt Matthias Hochstätter, Sprecher des Bundesverbandes Windenergie (BWE). Die Ziele, die die Politik in den letzten Jahren vorgegeben habe, seien einfach zu hoch gesteckt gewesen. Zwar machte die Bundesregierung im vergangenen Herbst immerhin die „Steckdose auf dem Meer“ zur Vorschrift. Damit sind die Stromkonzerne für die Kabelverlegung vom Festland zu den Windparks verantwortlich – was die maritimen Windmüller von einen gehörigen Kostenblock befreit. Doch diese Maßnahme alleine hat den Durchbruch nicht gebracht.

Das Problem: Offenbar reichen die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Vergütungssätze den deutschen Betreibern nicht aus. Das Gesetz garantiert für die Produktion einer Kilowattstunde Offshore-Strom derzeit eine Einspeisevergütung in Höhe von 9,1 Cent. In anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien werden hingegen 13 bis 15 Cent gezahlt. Der BWE rechnet nun damit, dass in den kommenden Jahren in Deutschland jährlich 2 000 Megawatt zusätzlicher Windkraftleistung an Land errichtet werden, während es auf dem Wasser erst langsam los gehen wird. „Vielleicht werden wir 2015 bei 5 000 Megawatt Offshore-Wind sein“, sagt BWE-Sprecher Hochstätter. Und bis 2020 seien aus heutiger Sicht sogar 10 000 Megawatt realistisch. Frühere Prognosen der Bundesregierung, die bis 2020 noch mit 20 000 Megawatt rechnete, könne man sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen aber „abschminken“. Das größere Potenzial mit rund 45 000 Megawatt bis 2020 liege nach wie vor an Land.

International ist die Stimmung deutlich besser. Die European Wind Energy Association (EWEA) schätzt, dass in Europa noch in diesem Jahrzehnt 10 000 Megawatt Offshore-Leistung installiert werden, bis 2020 sollen es 70 000 Megawatt sein. Während sich in deutschen Meeren bisher noch keine Anlage dreht, laufen in den Seegebieten vor Dänemark, Schweden, Großbritannien und Irland bereits mehr als 300 Rotoren mit zusammen 600 Megawatt.

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