Stromerzeuger
Energiebranche feilt an der Strategie

Energiekunden zeigen eine deutlich größere Wechselbereitschaft; der Kunde, Strom- und Gasnachfrager, sieht sich immer stärker einem aggressiven Preiskampf der Unternehmen ausgesetzt. Doch für die Stromerzeuger wird sich in Zukunft einiges ändern: Das Leitungsgeschäft büßt an Attraktivität ein – die Energiebranche wendet sich neuen Feldern zu.

DÜSSELDORF. Gott hat den Ökonomen zwei Augen gegeben, eins für die Angebots- und eins für die Nachfrageseite. Getreu diesem Bild des Ökonomie-Nobelpreisträgers Paul Antony Samuelson müssen die Spitzenmanager der deutschen Energiewirtschaft mit beiden Augen schauen. Dabei zeigen sich grundlegende Veränderungen sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite. Die Wechselbereitschaft der Energiekunden ist wesentlich größer geworden. Die Strom- und Gasnachfrager werden in einem aggressiven Wettbewerb umworben. Die etablierten Versorger spüren die Konsequenzen liberalisierter Märkte. Newcomer profitieren davon, dass die Bundesnetzagentur die Netzentgelte reguliert und für einen Abbau der Netzzugangsbarrieren gesorgt hat.

Es zeichnet sich ab, dass die Netzeigentümer ihre historischen Vorteile dauerhaft verlieren werden. Die unternehmerische Kontrolle geht in jedem Fall verloren: Entweder muss künftig ein selbstständig agierender Treuhänder für die Netze eingesetzt werden oder die bisher vertikal integrierten Konzerne verkaufen ihre Trassen und Pipelines. Die Attraktivität des Leitungsgeschäfts ist schon stark unter Druck geraten. Die von der EU-Kommission angepeilte unternehmerische Entflechtung der Geschäftssparten Produktion, Netzbetrieb und Vertrieb erzwingt strategische Neuorientierungen. Hinzu kommt, dass durch verschärfte ordnungsrechtliche Wärmedämmvorschriften und durch staatliche Quotenauflagen zu Gunsten des Einsatzes der regenerativen Versorgungsquellen die bereits schwächer gewordenen Stromverbrauchszuwächse hierzulande weiter abgeschmolzen werden. Das Erdgas bekommt härtere Konkurrenz durch politisch stärker geförderte Fernwärme. Die Bundesregierung will die Entwicklung der Energienachfrage vom Wirtschaftswachstum abkoppeln. Der Kampf um Marktanteile wird angesichts eines kleiner werdenden Energiekuchens somit immer härter.

Vor diesem Hintergrund stehen Deutschlands Energiekonzerne unter massivem Handlungsdruck. Die vertikal integrierten Geschäftsmodelle - Produktion, Transport und Vertrieb von Strom und Gas in einer Hand - gehören der Vergangenheit an. Angesichts der wachsenden Wechselbereitschaft positionieren sich die führenden Konzerne bundesweit und intensivieren in den eigenen Vertriebskanälen den Konkurrenzkampf. Von der Zentrale aus werden durch Billigangebote die Regionalgesellschaften herausgefordert. Auch die kommunalen Energieversorger müssen sich einem Verdrängungswettbewerb stellen.

Nach der Abgabe der Netzaktivitäten werden die führenden Energiekonzerne Schwerpunkte in der Produktion suchen. Die Spitzenmanager müssen ihre Kraftwerksstrukturen optimieren, wenn sie die politischen Forderungen nach einer massiven Begrenzung der CO2-Emissionen erfüllen wollen. Die Chefs von Eon und Vattenfall haben versprochen, dass die CO2-Emissionsmengen ihrer Anlagen bis zum Jahr 2030 gegenüber 1990 halbiert werden sollen. Diese Aussagen gelten für den gesamten Kraftwerkspark. Da hierzulande die CO2-freien Kernkraftwerke stillgelegt werden müssen, vergrößern sich die Umrüstungserfordernisse noch zusätzlich.

Seite 1:

Energiebranche feilt an der Strategie

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%