Stromproduktion
Deutschland ist grün

Am Pfingstwochenende haben die erneuerbaren Energien den größten Teil des Stromverbrauchs in Deutschland gedeckt. Der Erfolg hat aber seine zum Teil schon fast paradoxen Schattenseiten.

DüsseldorfAm Ende hat es doch nicht gereicht: Am Pfingstwochenende sah es lange so aus, als hätte Deutschland die Vision von der komplett grünen Stromerzeugung zum ersten Mal erfüllt. Tatsächlich produzierten die erneuerbaren Energien nach Daten des Think-Tanks Agora Energiewende am Sonntag gegen 14 Uhr aber immerhin genug Strom, um den Stromverbrauch zu mehr als 80 Prozent zu decken.

Den Daten zufolge, die der Think-Tank fortlaufend erhebt, speisten Wind- und Solaranlagen, sowie Wasser- und Biomassekraftwerke Strom mit einer Leistung von knapp 47 Gigawatt ins Netz. Der Stromverbrauch betrug gleichzeitig rund 57 Gigawatt. Zum einen war es speziell im Norden, wo viele Windräder stehen windig, und obwohl es nicht sonderlich warm warm, schien in dieser Zeit auf großer Fläche die Sonne. Gleichzeitig ist am Pfingstsonntag aber auch traditionell der Stromverbrauch sehr niedrig. An Pfingsten wurden schon in den vergangenen Jahren regelmäßig Rekorde erzielt.

Ursprünglich hatte Agora den Stromverbrauch auf 47 Gigawatt geschätzt. Zwar kann Agora zum großen Teil auf stundenscharfe Daten der Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) in Leipzig zurückgreifen. Insbesondere die Angaben zum Stromverbrauch muss der Think-Tank aber zunächst schätzen.

Für die Netzbetreiber war die Entwicklung ohnehin kein Grund zum Jubeln. Weil gleichzeitig fast 8,4 Gigawatt an konventionellen Kraftwerken zur Absicherung von plötzlichen Schwankungen am Netz waren, hatten sie Probleme, für Ausgleich von Stromangebot und -nachfrage zu sorgen – und das Netz zu stabilisieren. Zum einen musste Deutschland im großen Stil Strom ins Ausland exportieren. Vor allem aber mussten die Netzbetreiber große Verbraucher zum Stromverbrauchen animieren. Diese bekamen sogar Geld dafür, dass sie ihre Produktion anwarfen und Strom verbrauchten. An der EEX wurden in der Mittagszeit deshalb sogar negative Strompreise bezahlt. Um 14 Uhr betrug der Preis am Spotmarkt für eine Megawattstunde Strom minus 35 Euro.

Letztlich hat das Hochfahren der Industrieproduktion wohl auch verhindert, dass Stromverbrauch und grüne Stromproduktion im Einklang waren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%