Supergrid soll EU-Versorgung sichern
Sahara-Strom für Europa

Schon 0,3 Prozent der Lichtstrahlung auf die Sahara würde ausreichen, um die gesamte EU mit Energie zu versorgen. Grund genug für EU-Experten, über mögliche Wege nachzudenken, auf denen der saubere Wüstenstrom nach Europa gelangen könnte. Ein Supernetzwerk soll die EU-Versorgung mit erneuerbaren Energien sichern.

DÜSSELDORF. Sauberer Strom für Europa kommt demnächst vielleicht aus der Sahara. Riesige Sonnenkollektor-Farmen sollen nicht länger nur eine Zukunftsvision bleiben. Welche konkreten Investitionen nötig sind, um Europa über ein Supergrid mit Solar-Energie aus der Wüste zu versorgen, haben Wissenschaftler jüngst auf dem „Euroscience Open Forum“ in Barcelona aufgezeigt.

Seit langem diskutieren Experten den großflächigen Einsatz von Photovoltaik-Anlagen in der Sahara: Eine Anlage dort könnte dreimal so viel Strom produzieren wie eine vergleichbare Solaranlage im nördlichen Europa. Schon rund 0,3 Prozent der Lichtstrahlung auf die Sahara und den mittleren Osten würden ausreichen, um ganz Europa mit Energie zu versorgen, so Arnulf Jäger-Walden vom Energieinstitut der Europäischen Union.

Durch Solarzellen oder Spiegel will er aufgeheiztes Wasser dazu verwenden, um Turbinen zur Stromerzeugung anzutreiben. Die in Nordafrika erzeugte Energie könnte dann durch Hochspannungs-Gleichstromleitungen über tausende Kilometer hinweg nach Europa transportiert werden. Wieviel eine solche Hochspannungsleitung kosten wird, hängt von der Größe des Stromnetzes ab. Mit einer jährlichen Summe von bis zu einer Milliarde Euro bis zum Jahr 2050, so Jäger-Walden, sei aber zu rechnen.

In ein solches Supergrid, welches im Idealfall die gesamte EU umfassen müsste, soll dann ebenfalls der Strom aus Windenergie oder Geothermie eingespeist werden. Der Vorteil eines solchen Riesen-Netzes liegen auf der Hand: Erdwärme aus Island und Italien würde ebenso zur Gesamtversorgung der EU-Staaten beitragen wie Windenergie aus Großbritannien oder Dänemark oder eben Solarenergie aus der Sahara. Bei einem solchen Mix aus erneuerbaren Energien würde ein zeitweiser Engpass bei der Stromproduktion in einem Gebiet - etwa, weil der Wind mal nicht so stark weht - nicht ins Gewicht fallen.

Zudem wären Gleichstromleitungen im Gegensatz zu den herkömmlichen Wechselstromleitungen wesentlich effizienter, da über lange Entfernungen weit weniger Energie verloren geht. Die Investitionen für das Supergrid seien gering, rechneten die Experten in Barcelona vor: Der von ihnen angesetzten Summe von jährlich einer Milliarde Euro bis 2050 stehen Ausgaben von über 45 Billionen Euro gegenüber, die der Ausbau der herkömmlichen EU-Energiesysteme nach Berechnungen der Internationalen Energie Behörde in den nächsten 30 Jahren verschlingen würde.

Das Projekt findet prominente Fürsprecher in der Politik: Der französische Staatspräsident Nicholas Sarkozy und Großbritanniens Premierminister Gordon Brown haben bereits ihre Unterstützung signalisiert. Der Bau von Solarkollektor-Farmen soll ein wesentlicher Aspekt der Arbeit der unlängst gegründeten Mittelmeer Union darstellen. So steht ein „Solarenergie-Plan“ oben auf der Liste der Ziele, die Sarkozy im Rahmen der Mittelmeerunion verwirklichen möchte. Ein solcher Plan eigne sich besonders für diese Region angesichts der Wetterverhältnisse rund um das Mittelmeer.

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