Tendence Lifestyle
Konsumgüter: Öko statt Plastik

Viele Aussteller auf der internationalen Konsumgütermesse Tendence Lifestyle in Frankfurt haben ihr Herz für die Umwelt entdeckt. Qualität, Wertigkeit und langer Nutzwert - das Thema Nachhaltigkeit ist in diesem Jahr eines der Mega-Themen. Doch vom Glitzer mag man trotzdem nicht so ganz die Finger lassen.

HB FRANKFURT/MAIN. „Wir produzieren viel Müll, nur weil sich alle sechs Monate die Trends ändern“, sagt der aus Indien stammende Designer Satyendra Pakhalé. „Jetzt wollen wir etwas schaffen, was länger hält - für das ganze Leben oder sogar für die nächste Generation.“ Von diesem Freitag bis Dienstag zeigen auf der Leitmesse für das Herbst-, Winter- und Weihnachtsgeschäft mehr als 3000 Aussteller ihre neuen Produkte rund ums Wohnen. Rund 80 000 Fachbesucher werden erwartet.

Pakhalé hat in einem eigenen Ausstellungsraum der Messe Produkte verschiedener Designer und Hersteller zusammengetragen, die er als nachhaltig bezeichnet. Darunter findet sich etwa ein Dampfkocher aus Italien, der schon seit Jahrzehnten in dieser Weise produziert wird. Oder Tassen aus Keramik, aber auch Lautsprecher für den MP3-Player. „Schauen Sie auf diese Qualität, das kann für immer halten“, sagt Pakhalé. Eine Bedrohung für die Hersteller durch die Langlebigkeit der Produkte sieht er in dem Trend aber nicht. „Das ist gut für die Industrie, das ist keine Revolution, sondern Evolution“, sagt er.

Auch die Messe sieht diesen Trend. „Nachhaltigkeit wird künftig eine große Rolle spielen“, sagt Messe-Bereichsleiterin Nicolette Naumann. Sie spricht von ethischer Qualität. Dabei geht es auch darum, ob Produkte mit Hilfe von Kinderarbeit in Fernost entstanden sind oder ob Umweltaspekte berücksichtigt wurden. Und es geht immer mehr um Individualität. „Viele Hersteller setzen auf Produkte mit Unikat-Charakter und einem Touch des Selbstgemachten“, erklärte die Messe und fasst scharf zusammen: „Massenware von der Stange ist out.“

Diesen Weg ist auch der Hersteller Sunday aus Norddeutschland gegangen: Aus alten Getränkedosen und Sprayflaschen hat er aufwendige Windlichter erstellt. „Das zeigt, dass man auch aus Müll noch etwas Schönes machen kann“, sagt Geschäftsführer Arne Rodenbach. Auch aus Bambus geflochtene Kehrschaufeln gehören in diesem Jahr zu seinem Programm. „Plastik ist eben nicht gerade das umweltfreundlichste Material.“ Der Hersteller Raumgestalt aus Bernau im Schwarzwald konzentriert sich seit seiner Gründung 1999 auf natürliche Materialien. „Unsere Produkte sind möglichst reduziert, ohne soviel Schnickschnack“, sagt Mitgründer Dieter Schöniger. Und seine massiven Eichenmöbel sollen möglichst eine Ewigkeit halten.

Doch auch wenn Nachhaltigkeit inzwischen eine große Rolle spielt, die bunte Glitzerwelt aus oft extrem Kitschigem ist auch in diesem Jahr wieder auf mehr als 100 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zu sehen. Trendfarben sind erneut schwarz und weiß, diesmal aber mit mehr rot und gold dazugemischt. Immer mehr Interesse findet auch alles rund ums Thema Küche. Ein nur kurzfristiger Trend dieses Jahr ist nach Einschätzung der Messe alles, was mit den Alpen zu tun hat - wie zum Beispiel auch Hirschgeweihe fürs Wohnzimmer oder Produkte aus Pelz.

Skurril sind auch viele Angebote der Marke Present Time aus den Niederlanden. Ein Geldsafe macht beim Öffnen lustige Geräusche, ein Cocktail-Set für die Bar sieht aus wie ein Chemielabor. Und wer in seiner Wohnung keinen Platz für einen Weihnachtsbaum hat, kann ein Weihnachtsbaum-Poster an die Tür kleben und individuell dekorieren. „Es gibt keine eindeutigen Trends mehr“, meint Geschäftsführer Dieter Schmidt, der mit seinem Team jedes Jahr rund 1000 neue Produkte auf den Markt bringt. „Man will aber Aufmerksamkeit erreichen, und dabei ist alles erlaubt.“

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