Treibhauseffekt
Feuer für den Klimawandel

Ein wesentlicher Beitrag zur Beschleunigung des Klimawandels ist bei den bisherigen Prognosen offenbar unterschätzt worden. Wissenschaftler haben jetzt untersucht, wie stark sich Brände auf den Treibhauseffekt auswirken - und sind zu alarmierenden Ergebnissen gekommen.
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ap FRANKFURT/MAIN. Die Folgen von Bränden für den Klimawandel werden weit unterschätzt. Eine internationale Studie kommt zu dem Schluss, dass Feuer derzeit für rund 20 Prozent des Treibhauseffektes verantwortlich sind - mit steigender Tendenz. In den bisherigen Prognosen der Internationalen Klimaschutzkommission (IPCC) der Vereinten Nationen werde dies nicht berücksichtigt, kritisieren die Wissenschaftler um den australischen Umweltforscher David Bowman von der Universität von Tasmanien.

Der Untersuchung zufolge entsenden Brände weltweit etwa halb so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre, wie beim Verbrauch fossiler Brennstoffe etwa in der Industrie und im Straßenverkehr entsteht. Verstärkt wird der Treibhauseffekt noch durch den feinen Ruß, der beim Verbrennen von Pflanzenmasse zusätzlich ausgestoßen wird.

Diese Emissionen münden den Forschern zufolge in einen Teufelskreis: Denn die dadurch verstärkte Erderwärmung steigert das Brandrisiko noch mehr - vor allem auf der Nordhalbkugel. Als ein Beispiel nennen die Wissenschaftler vor allem die riesigen Wälder in Sibirien, wo in manchen Jahren Gebiete von der Größe Portugals niederbrennen.

„Feuer ist eindeutig ein wesentlicher Beschleuniger des globalen Klimawandels“, sagt Thomas Sweetnam von der Universität von Arizona in Tucson. „Das Erschreckende ist, dass wir wegen der Rückkopplungseffekte und anderer Ungewissheiten die künftige Rolle von Bränden vielleicht weit unterschätzen.“

Daher fordern die Forscher die Vereinten Nationen in der Zeitschrift „Science“ auf, die bedeutende Rolle von Bränden für die Erderwärmung stärker zu erforschen und in ihre Klimaprognosen einfließen zu lassen. „Wir sind sehr besorgt, dass Feuer in den Klimamodellen nicht angemessen berücksichtigt werden“, sagt Bowman. Der Grund für die Vernachlässigung ist für den Forscher klar: Im Gegensatz zu Industrie und Straßenverkehr werde Feuer als ein natürliches Phänomen wahrgenommen.

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