Überwachungstechnik
Leben in der „gläsernen“ Stadt

Glas und Stahl sind die Baustoffe der modernen Großstadt. Doch die „gläserne Stadt der Zukunft“ ist nicht nur in dieser Hinsicht transparent, sie ermöglicht auch einen allgegenwärtigen Blick auf ihre Bewohner. Schon heute bestimmen Überwachungskameras das Bild vieler öffentlicher Plätze. In Deutschland bremst das Datenschutzgesetz die schlimmsten Auswüchse – noch.

DÜSSELDORF. Die vollständig überwachte Stadt gehörte lange zu den negativen Utopien in der Literatur. Bekanntestes Beispiel: George Orwells Slogan „Big Brother is watching you“ aus dem Roman „1984“, der zum geflügelten Wort für den totalitären Überwachungsstaat wurde. Inzwischen hat die Realität die Utopie eingeholt, an manchen Stellen gar überholt.

Heute muss sich der Stadtbewohner an vielen Stellen recht wörtlich in die Karten sehen lassen: Das Schild „Vorsicht, Videoüberwachung“ ist nämlich nicht nur an Tankstellen zu finden, wo potenzielle Benzindiebe durch Abfilmen der Nummernschilder abgeschreckt werden sollen. In Kaufhäusern und Fachgeschäften, Einkaufspassagen und öffentlichen Gebäuden blicken Videoaugen dem zufälligen Passanten über die Schulter. Ebenso in Hotels, Tiefgaragen, Straßentunneln oder bei öffentlichen Großveranstaltungen.

Auch wenn nicht wie befürchtet eine einzelne Instanz dahinter steckt, ist das Netz an neugierigen Kameras mittlerweile unerhört dicht. Extremes Beispiel ist Großbritannien: Rund 4,2 Millionen Überwachungskameras sollen im Vereinigten Königreich die öffentliche Sicherheit gewährleisten. In London wird so gut wie jeder öffentliche Platz überwacht. Wer sich als Tourist durch die britische Hauptstadt bewegt und die üblichen Sehenswürdigkeiten ansteuert, wird im Durchschnitt pro Tag etwa 300 Mal von Überwachungskameras gefilmt.

Im Vergleich dazu geht es in Deutschland noch vergleichsweise harmlos zu, doch auch hierzulande wird immer mehr öffentlicher Raum überwacht: An Ampelkreuzungen etwa sind immer öfter kleine, an Webcams erinnernde Kameras installiert, die der Steuerung des Verkehrs dienen. Die Aufnahmen werden an Bild verarbeitende Computer der städtischen Verkehrszentralen geleitet, die besser zwischen einer vollen und einer leeren Kreuzung unterscheiden können als Induktionsschleifen und Infrarot-Sensoren. Dort werden zwar keine Nummernschilder gelesen und verarbeitet, dennoch wird der arglose Autofahrer in manchen Städten an jeder Kreuzung „gefilmt“.

Allerdings darf hierzulande bislang nicht jeder nach Belieben filmen, denn jeder Bürger besitzt das „Recht am eigenen Bild“. Wo Videobilder aufgezeichnet werden, wie etwa an Tankstellen, in Kaufhäusern oder auch in Cafes mit Live-Webcams, müssen Informationsschilder darauf hinweisen. Dadurch bekommt der Bürger die Chance, durch Verlassen des überwachten Ortes sein Nichteinverständnis zu erklären. Die Grenze für diese Art von Überwachung besteht für private Instanzen dort, wo der „öffentliche Raum“ beginnt. Die Straße vor dem eigenen Lokal oder Parkplatz ist also bereits tabu und darf nicht im Bild erfasst werden. Lässt sich das nicht vermeiden, dürfen zumindest keine individuellen Merkmale wie Gesichter oder Autokennzeichen erkennbar sein.

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