Umstrittener Staudamm in Laos
Wie eine tonnenschwere Bombe

Am Mekong, einem der längsten Flüsse der Erde, entstehen immer mehr Wasserkraftwerke. Umweltschützer warnen vor dramatischen Folgen. Ungeachtet dessen treibt Laos den Bau eines weiteren Staudamms voran.

Chiang KhongVom Fischfang können die Menschen in Chiang Khong im Norden Thailands kaum noch leben. Während der Fang eines Tages vor über einem Jahrzehnt rund zehn Kilogramm auf die Waage brachte, sind es heute bestenfalls ein bis zwei. Grund sind die Staudämme entlang des Mekongs, insbesondere in China. Nun treibt Laos den Bau seines zweiten Staudamms voran – ungeachtet der Bitten seiner Nachbarn und der Kritik von Umweltschützern.

Der Mekong durchquert sechs Länder in Südostasien, von Tibet bis ins Südchinesische Meer. Er ist mit rund 4800 Kilometern einer der längsten Flüsse der Erde und Lebensader einer ganzen Region. Der Don-Sahong-Damm entsteht an einem Nebenarm des Mekongs im Süden von Laos, weniger als zwei Kilometer von der Grenze zu Kambodscha entfernt, in einer Region, die berühmt ist für ihre spektakulären Wasserfälle und tiefen Becken. Hier leben unter anderem die bedrohten Irawadi-Delfine.

Der Don-Sahong-Damm schwebe „wie eine tonnenschwere Bombe“ über ihm, sagt Phoy Vanna, der in Kambodscha Touristen mit seinem Boot herumfährt. Er hat Angst um seine Zukunft und um die seiner zehn Kinder. Deshalb hat sich der Familienvater dem Protest hunderter kambodschanischer Dorfbewohner gegen das Projekt angeschlossen. „Noch haben wir Arbeit, wir können davon leben, dass die Touristen hierher kommen“, sagt er.

Ein Großteil des Stroms soll exportiert werden

Doch Kambodscha und die anderen betroffenen Staaten können den Bau des Staudamms nicht stoppen. Laos muss als Mitglied der Mekong-Flusskommission zwar seine Nachbarn anhören, ist aber nicht auf deren Zustimmung angewiesen. Vergangenes Jahr baten Thailand, Kambodscha und Vietnam um einen zeitlichen Aufschub, damit die möglichen Auswirkungen des Projekts untersucht werden könnten. Daraufhin ließ Laos seine Nachbarn wissen, man sei erfreut, dass die Konsultationen nun abgeschlossen seien.

Kritiker geben zu bedenken, die Leistung des künftigen Kraftwerks – nur 256 Megawatt – stehe in keinem Verhältnis zu den potenziellen Folgen für das sensible Ökosystem. Laos dagegen erklärt, das Projekt sei notwendig, um die Entwicklung im Süden des Landes voranzutreiben. Ein Großteil des Stroms, den die in Laos geplanten neun Wasserkraftwerke produzieren, soll den Plänen zufolge allerdings nach Thailand und Vietnam exportiert werden.

Der Don-Sahong-Staudamm könnte insbesondere die Wanderung von Fischschwärmen behindern, die dann nicht mehr flussaufwärts schwimmen können – was an den anderen Nebenarmen wegen Wasserfällen oder Stromschnellen nicht möglich ist. Die Regierung hält Umweltschützern entgegen, für die Fische würden Alternativrouten geschaffen, indem man etwa einen Zulauf vertiefe und Stromschnellen mittels Sprengungen beseitige.

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Schon jetzt sind die Folgen unübersehbar

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