Umweltbilanz
Auch die Lieferanten sollen grüner werden

Viele Unternehmen wollen ihre CO2-Bilanzen verbessern und überprüfen ihre Produktionskette. Oft lässt sich die Umweltbelastung eines einzelnen Produkts genau nachvollziehen, wenn auch die Lieferanten ihre Umweltbilanz offenlegen. Viele Unternehmen können durch umweltschonendes Produzieren unnötige Kosten einsparen.
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BERLIN. Was belastet die Umwelt mehr? Der Biss in eine Alpenmilch- oder eine Rum-Trauben-Nuss-Schokolade? Bei Ritter Sport im schwäbischen Waldenbuch stellt man sich genau diese Frage und versucht exakt zu ergründen, für welche Schoki mehr Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre geblasen wird. Um herauszufinden, an welchen Stellen sinnvoll CO2 eingespart werden kann, durchleuchtet das Unternehmen die gesamte Lieferantenkette bis zur Kuh auf der Weide. Und klärt, ob die Kuh, die Verpackung oder der Transport das größte Problem ist. Für Geschäftsführer Alfred Ritter ist nachhaltiges Wirtschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette schon lange ein Thema. Mit häufig genannten Einwänden hat sich der Unternehmer auch schon auseinandergesetzt: „Ich sehe zwischen Ökologie und Ökonomie nur einen Scheinkonflikt.“ Tatsächlich senke umweltschonendes Produzieren Kosten. „Als schwäbisches Unternehmen haben wir schon zu Zeiten meines Vaters nachhaltig gewirtschaftet, weil uns Verschwendung noch nie gefallen hat“, sagt Ritter.

Um eben diese Verschwendung zu vermeiden, schauen sich viele Unternehmen ihre Lieferkette genauer an: „Produktbezogene CO2-Bilanzierung ist machbar", sagt Klaus Ballas, Partner der J&M Consulting AG in Mannheim. Das Beratungshaus unterstützt Unternehmen genau bei dieser Aufgabe und berät, wie Lieferketten grüner werden können. „Handel, Industrie, Verbraucher, Umweltschutzorganisationen und nicht zuletzt der Gesetzgeber fordern verstärkt die Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der Emissionen. Das bekommen auch Mittelständler zunehmend zu spüren“, sagt Ballas. „Eine wachsende Zahl von Handels- und internationalen Industrieunternehmen fordert ihre Lieferanten beispielsweise auf, Informationen zur Umweltbelastung ihrer Vorprodukte zur Verfügung zu stellen.“ Wer da nicht mitziehen kann, riskiert ausgelistet zu werden oder kommt bei Ausschreibungen gar nicht erst zum Zuge.

Zuweilen schadet eine Rückbesinnung nicht, um die neuen Anforderungen einer ökologischen Produktion zu erfüllen. So lässt die Heilbronner Campina GmbH, die unter anderem Landliebe-Joghurts herstellt, die Kühe ihrer zuliefernden Bauern seit einem Jahr wieder traditionell füttern. „Das bedeutet, dass wir volljährig auf lokale Futterproduktion umgestellt haben. Wir beziehen kein Soja mehr aus Südamerika und verzichten konsequent auf den Einsatz von genverändertem Tierfutter“, erklärt Geschäftsführungsmitglied Norbert Reuss.

Auch das Handelsunternehmen tegut aus Fulda möchte der Umwelt Gutes tun und erstellt für zwei verschiedene Schinkensorten eine CO2-Bilanz - von der Rohstoffgewinnung bis zum Verkauf. Das Unternehmen stellt sich bereits auf eine CO2-Kennzeichnungspflicht aller Produkte ein, wie es sie bereits in England gibt. Politik und Umweltinitiativen drängen in Deutschland auf Ähnliches. Das erhöht den Druck auf Lieferanten, nachvollziehbare Daten zu liefern.

Das ist allerdings oft nicht ganz einfach, zumal ein verbindlicher Standard zur CO2-Bilanzierung fehlt. Ein Problem, vor dem auch die Heidelberger Rudolf Wild GmbH & Co KG steht. Der „Capri-Sonne“-Produzent erstellt schon seit Jahren Umwelt-Bilanzen. Doch ein umfassendes Bild bis in die kleinste Einheit zu erhalten ist schwer: „Die Ermittlung der benötigten Daten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg ist eine komplexe Aufgabe, da wir weltweit Früchte einkaufen“, erklärt Geschäftsführer Thomas Eller. Er sieht sich gegenüber Abnehmern in der Verantwortung, verlässliche und international vergleichbare Informationen zu liefern: „Eine international standardisierte Methode erachten wir als unbedingt notwendig.“

Ähnlich wie Schokoladen-Unternehmer Ritter begreift auch Wild die neuen Anforderungen des nachhaltigen Wirtschaftens nicht als Ballast, sondern als Chance, sich als Marke zu positionieren. Und um das glaubwürdig umsetzen zu können, müsse man auch die Zulieferer der Zulieferer im Auge behalten - eben die ganze Lieferkette von Anfang an.

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