Umweltleistungsmessung
Soll und Haben des Klimawandels

Es ist unbestritten, dass menschliches, so auch unternehmerisches Handeln die Umwelt beeinflusst. Sei es durch den Ressourcenverbrauch oder die Emissionen und die Abfälle, die während eines Produktionsprozesses entstehen – Unternehmen greifen in die Umwelt ein. Doch wie kann dieses Eingreifen gemessen werden? Und wie wird darüber berichtet?

Umstritten ist, in welchem Umfang unsere Produkte und deren Produktion welche Auswirkungen für die Umwelt haben. Diese Frage ist Gegenstand naturwissenschaftlicher Untersuchungen, zum Beispiel in Ökobilanzen. Bezüglich des Klimawandels zeichnet sich derzeit ein naturwissenschaftlicher Konsens ab. Die Klimaforscher des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) bestätigen mit einer Sicherheit von über 90 Prozent, dass der Klimawandel durch den Menschen verursacht wird.

Aber ganz unabhängig davon, welche Position ein Unternehmen zu diesem Thema einnimmt, können beide Fragen nur beantwortet werden, wenn entsprechende Daten vorliegen. Im Gegensatz zum externen Rechnungswesen, das seit der Abhandlung über die doppelte Buchführung von Luca Pacioli im Jahr 1494 bereits recht ausgefeilt ist und vor allem international kodifiziert ist, steckt die Umweltleistungsmessung noch in ihren Kinderschuhen.

Einen ersten Schritt zur Vereinheitlichung hat die Global Reporting Initiative (» www.globalreporting.org) unternommen, die seit 1997 einen Berichtsrahmen zur Verfügung stellt, der kontinuierlich verbessert wird und mittlerweile in der dritten Version vorliegt. Die ideale Berichterstattung umfasst danach ökonomische, ökologische und soziale Kennzahlen. Laut Global Reporting Initiative (GRI) umfasst „die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit (...) die Auswirkungen einer Organisation auf lebende und nicht lebende Natursysteme, einschließlich der Ökosysteme, zu Boden, in der Luft und zu Wasser. Ökologische Indikatoren decken die Leistung bezüglich Input (zum Beispiel Material, Energie und Wasser) und Output (zum Beispiel Emissionen, Abwasser, Abfall) ab. Zusätzlich decken sie Leistungen ab im Hinblick auf Biodiversität, die Einhaltung von umweltrechtlichen Vorschriften und anderen wichtigen Informationen, wie zum Beispiel Umweltausgaben und Auswirkungen von Produkten und Dienstleistungen.“ Für die Klimarelevanz schlägt der GRI-Leitfaden drei Kennzahlen vor:

  1. als Kernkennzahl: gesamte direkte und indirekte Treibhausgasemissionen nach Gewicht (EN 16 = Environmental Indicator 16)

  2. als Kernkennzahl: Andere relevante Treibhausgasemissionen nach Gewicht (EN 17 = Environmental Indicator 17)

  3. als zusätzliche Kennzahl: Initiativen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und erzielte Ergebnisse.

Doch nun stellt sich die Frage, inwieweit Unternehmen diese Kennzahlen bereits berichten. Eine aktuelle Analyse von 48 Berichten der Branchen Bergbau und Öl+Gas nach dem Umfang und der Qualität der Berichterstattung zeigt, dass mehr als 93 Prozent der Unternehmen Klimakennzahlen berichten, aber bisher kein Unternehmen die Anforderungen des GRI-Leitfadens erfüllt. Viele Großkonzerne geben zum Beispiel nur Klimakennzahlen für ihre Fabriken in Deutschland oder Europa an. Über CO2-Emissionen der Werke in Brasilien oder Indonesien wird keine Auskunft erteilt.

So bleibt noch ein weiter Weg zur Standardisierung der Umweltleistungsmessung zu gehen – wir haben nur nicht so lange Zeit wie es das externe Rechnungswesen seit Luca Pacioli hatte, wenn wir zuverlässige Aussagen über die Klimarelevanz unserer Unternehmen bekommen wollen. Um den Temperaturanstieg zu stoppen verbleiben laut Aussage des dritten Teils des IPCC-Berichts gerade noch acht Jahre.

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