Umweltschutz
Südkorea startet die grüne Welle

Jahrzehntelang musste sich in Südkorea alles einem einzigen Ziel unterordnen: dem Wirtschaftswachstum. Doch in der Krise investiert das Partnerland der diesjährigen Hannover Messe massiv in Umweltschutz und Energieeffizienz. Von dieser Entwicklung werden auch deutsche Unternehmen profitieren.
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DÜSSELDORF. Vom Sihwa-See blieb nicht viel mehr übrig als eine stinkende Kloake. Vor gut 15 Jahren war das südkoreanische Gewässer eine ruhige Bucht im Gelben Meer. Dann verwandelte ein Staudamm es in ein künstliches Süßwasserbecken. Die Industrieunternehmen der Umgebung entnahmen nicht nur das Wasser, sondern leiteten auch ihre eigenen Abfälle in den See. Der kippte um, weil es keine Zufuhr von frischem Wasser gab. Das ändert sich nun.

Bald werden sich die Schleusen des Staudamms wieder öffnen. Denn an der koreanischen Ostküste eröffnet in diesem Jahr das größte Gezeitenkraftwerk der Welt. Es wird nicht nur eine halbe Million Haushalte mit Strom versorgen, sondern auch den Sihwa-See mit frischen Wasser wieder zum Leben erwecken.

Das Vorzeigeprojekt ist Symbol für eine Zeitenwende auf der koreanischen Halbinsel. Jahrzehntelang musste sich alles im Land dem Wirtschaftswachstum unterwerfen: die Politik, die Menschen, die Natur. "Themen wie Umweltschutz und Energiesparen haben die Industrie nicht interessiert" sagt Bernhard Schraut, Geschäftsführer des deutsch-koreanischen Wirtschaftskreises. Jetzt steckt auch Korea in der Krise - der Exportnation brechen weltweit die Aufträge weg. Wachstum ohne Rücksicht auf Verluste funktioniert nicht mehr, stattdessen will Korea mit einem lange vernachlässigten Thema punkten: dem Umweltschutz.

In Anlehnung an den "New Deal", ein staatliches Investitionsprogramm, das die USA in 1930er Jahren aus der Krise führte, hat der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak im Januar den "Green New Deal" für sein Land verkündet: ein 28 Mrd. Euro schweres Konjunkturprogramm, das ganz auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien setzt. "Umweltfreundliche Technologien werden ein neues Wirtschaftswunder in Korea möglich machen", hofft der Präsident.

Mit dem Konjunkturpaket will die Regierung energiesparende und umweltfreundliche Baustoffe fördern und rund zwei Mio. sogenannter "green homes" errichten, die mit Solarenergie versorgt werden. Parallel wird die Entwicklung klimaschonender Fahrzeuge vorangetrieben. Das neue Umweltbewusstsein will Korea als offizielles Partnerland auf der diesjährigen Hannover Messe präsentieren: "Wir zeigen, dass wir ein breites Spektrum umweltfreundlicher Unternehmen fördern, die sich der sauberen Energieerzeugung verschrieben haben", sagt Jae-hoon Chung, ranghoher Beamter im koreanischen Wirtschaftsministerium.

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