Umwelttechnologie
Klimabezogene Normung – Chance für deutsche Unternehmen

Wer die Norm hat, der hat die Technologie und den Markt – das wissen nicht nur die Europäer! Die Normung bietet Wettbewerbsvorteile für deutsche Unternehmen und ist ein wichtiges Instrument zur Verminderung von Treibhausgasemissionen.

Eine klimafreundliche Normung kann CO2-Emissionen erheblich senken. Gelingt es beispielsweise durch Normung, die weltweiten CO2-Emissionen um nur etwa 3,5 Prozent zu senken, so ist für den Klimaschutz mehr erreicht worden, als wenn Deutschland allein seine gesamten CO2-Emissionen auf Null senkt.

Von Produkten gehen über ihren gesamten Lebensweg – das heißt von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung bis zur Entsorgung – Wirkungen auf das Klima aus. Die Berücksichtigung von Klimaaspekten in Normen sichert die frühzeitige Einbeziehung der Umwelterfordernisse etwa im Bereich von Produktentwicklung und Design. Damit können Normen einen wichtigen Beitrag für nachhaltige und somit klimafreundliche Produktions- und Konsummuster leisten.

Als erste umfassende Methode für die energetische Gebäudebewertung für Neu- und Altbauten sowie für Wohn- und Gewerbegebäude hat zum Beispiel die in Deutschland fertig gestellte Norm DIN V 18599 „Energetische Bewertung von Gebäuden“ eine besondere Klimarelevanz. Durch Ihre europaweite Anwendbarkeit beinhaltet die Norm ein erhebliches Emissionsminderungspotenzial, wenn man bedenkt, dass der Energieverbrauch für die Beheizung von Gebäuden fast 20 Prozent des gesamten CO2 Ausstoßes in Deutschland verursachen.

Ein zentraler Vorteil der Normung ist, dass sie allgemein akzeptierte Referenzpunkte setzt, auch für die globale Wirtschaft. Vor allem vor dem Hintergrund der Integration der Weltmärkte erscheint dieser Vorteil entscheidend, um im Rahmen der internationalen Arbeitsteilung bedeutende Fortschritte im Klimaschutz zu erreichen.

Angenommen die Klimaverträglichkeit von Produkten wird umfassend in die Normung integriert, dann konkurrieren außereuropäische Unternehmen, die mit europäischen Produkten auf dem Weltmarkt im Wettbewerb stehen, auch mit den klimafreundlicheren Produkten der europäischen Konkurrenten. Dies gilt vor allem wenn sie nach Europa exportieren wollen. Dann kann die Erfüllung der Norm über Erfolg oder Misserfolg auf dem europäischen Markt entscheiden. Eine ambitionierte Klimapolitik und eine entsprechende Normung kann daher entscheidende klimarelevante Impulse für den gesamten Weltmarkt geben.

Auch eine Ausweitung der Normung auf bislang weniger normintensive Sektoren wie Flugzeugbau, Schienenfahrzeugbau und Life Science erscheint vielversprechend. Besonders in diesen CO2-intensiven Bereichen bieten sich nicht nur Wettbewerbsvorteile sondern erhebliche Klimaschutzpotenziale.

Die deutsche Industrie ist zurzeit führend im Bereich der Umwelttechnologie, als Leitindustrie wird sie, einer aktuellen Studie von Roland Berger folgend, bis 2020 die Automobilindustrie ablösen. Um diese neue deutsche Leitindustrie auszubauen und insbesondere ihre globale Verbreitung zu fördern, bedarf es internationaler Normen, die aus Deutschland heraus gestaltet werden. Gerade hier wird deutlich, dass Normen nichts anderes darstellen als technisch komprimiertes Wissen, das Grundkapital bzw. das einzige Kapital unserer nationalen Wissensgesellschaft. Diesen Vorsprung mit Hilfe der Normung früh genug zu manifestieren - wie es übrigens auch die heutigen Leitbranchen wie der Maschinenbau oder die Automobilindustrie getan haben - bedarf aus ureigenstem Interesse des deutschen Engagements.

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