UN-Artenschutzkonferenz
Wider die Biopiraterie

In japanischen Nagoya hat die zehnte UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt begonnen. Neben Artenschutz-Problemen steht vor allem das Thema „Biopiraterie“ im Mittelpunkt: Entwicklungsländer verlangen ihren Anteil an den Erlösen biologischer Rohstoffe, die in ihrem Land gefördert werden.
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BERLIN/NAGOYA. Sie ist 300 Mal süßer als Zucker, schützt die Zähne vor Karies und gleichzeitig ist sie eine echte Alternative für Diabetiker. Die Stevia, auch Honigkraut genannt, ist eine unscheinbare Pflanze mit weißen Blüten. Sie stammt aus dem peruanisch-brasilianischen Grenzgebiet und wird seit Jahrhunderten von der einheimischen Bevölkerung als Süßungsmittel genutzt. Nach ihrer „Entdeckung“ durch einen Europäer kann man sie inzwischen fast überall auf der Welt finden – Geld haben die Indios für ihr Wissen nie erhalten.

„Biopiraterie“ nennt Günter Mitlacher von der Umweltstiftung WWF solche kostenlose Nutzung, gegen die bisher kein Kraut gewachsen schien. Das soll sich ab dem heutigen Montag ändern, wenn im japanischen Nagoya die UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt beginnt.

Neben der Strategie für den internationalen Artenschutz verhandeln die Delegierten auch über das rechtsverbindliche ABS-Protokoll (Access and Benefit-Sharing). Dieses soll künftig regeln, wie Gewinne aus biologischen Rohstoffen gerecht verteilt werden können. Das gilt für die Stevia-Pflanze ebenso wie für therapeutische Substanzen etwa aus der Teufelskralle. Bislang sind sich die 194 Vertragsstaaten jedoch noch nicht einig.

So steht beispielsweise noch nicht fest, ob das Protokoll rückwirkend, sofort oder zukünftig in Kraft treten soll. Unklar ist auch, was mit biologischen Ressourcen erfolgen soll, die sich in staatenfreien Zonen befinden, etwa im Ozean. Für viele Entwicklungsländer ist das Anti-Biopiraterieabkommen der wohl wichtigste Verhandlungspunkt in Nagoya.

„Wenn es nicht zu diesem Deal kommt, besteht die Gefahr, dass die Entwicklungsländer die Artenschutz-Strategie nicht unterschreiben“, befürchtet Konstantin Kreiser vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Für ihn wäre die ABS- Vereinbarung ein „Quantensprung im internationalen Naturschutz“.

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