Uno-Verwaltungsgebäude
Vom Streber zum Sünder

Mangelhafte Wärmedämmung und eine Klimaanlage in Ganzjahrebetrieb: Der geplante Neubau eines Uno-Verwaltungsgebäudes in Genf sorgt für Furore. Während die Vereinten Nationen die Welt nach Bali eingeladen haben, um über Klimaschutz zu beraten, legt die Uno bei ihrem eigenen Bauprojekt wenig Wert auf Klimaschutz.

GENF/STUTTGART. Der Winter hält dieses Jahr früh Einzug in Genf. Die Berge rund um die Stadt funkeln im weißen Kleid, die Temperaturen rutschen schon im November wieder unter den Gefrierpunkt. Das Wasser im Genfer See ist eisig – eine Winteridylle.

Wenige Hundert Meter vom See entfernt residiert der Weltklimarat der Vereinten Nationen – jene Expertengruppe, die in mehreren Berichten ein Horrorszenario für den Planeten entworfen hat: Monsterstürme und Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Hungersnöte. Das alles drohe als Konsequenz des Klimawandels – und der sei eindeutig Folge übermäßiger CO2-Emissionen durch die Menschen. Auf der Uno-Klimakonferenz in Bali werden Uno-Fachleute ab heute wieder die Regierenden der Welt mahnen und „Klimaschutz jetzt!“ fordern. Was vor allem bedeutet, Energie zu sparen. Nur selbst nimmt es die Uno nicht besonders ernst mit dem Klimaschutz – besonders nicht bei einem ihrer derzeit größten Bauprojekte. Größter Kritiker der Uno: ihr eigener Architekt Stefan Behnisch aus Stuttgart.

Zugegeben: Die Fachleute der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (Wipo) haben mit Erderwärmung sonst nicht viel zu tun: Sie kümmern sich um den weltweiten Schutz von Patentrechten. Doch neben dem alten Sitz der Wipo soll in der Uno-City in Genf bis zum Jahr 2010 ein neues Wipo-Verwaltungsgebäude entstehen. Mit geschätzten Kosten von mehr als 60 Millionen Euro schlägt das Projekt zu Buche. Nur: „In Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz wird das neue Gebäude weit hinter dem zurückbleiben, was heute möglich ist“, klagt Behnisch, der Architekt des Wipo-Neubaus.

Die Uno als Klimasünder? Behnisch sagt, warum. In einen ausgeleierten Pulli gekleidet, sitzt er zwischen 80 herumschwirrenden Mitarbeitern am Holztisch seines Büros in einem ehemaligen Stuttgarter Industriebau. Er klappt seinen Laptop auf und lädt die Modellfotos des Genfer Wipo-Neubaus herunter. Ein langgestrecktes Gebäude wird sichtbar, das von außen zu mehr als der Hälfte aus Glas besteht. Innen geben drei Höfe dem Bauwerk eine klare Struktur – und sie lassen das Licht hinein.

Dann aber geht der Architekt ins Detail. Er deutet auf die äußere Glasfassade und stellt achselzuckend fest, dass der Bauherr keine Fenster haben wollte, die sich öffnen lassen. „Dabei können Sie in Genf drei Viertel des Jahres allein mit dem Fenster die Temperatur regeln“, sagt Behnisch. Er räumt ein, dass sich damit im Sommer die Hitze nicht auf 21 Grad senken lässt, was er allerdings in diesen Regionen für einen überzogenen Anspruch hält, der sich mit umweltgerechter Bauweise sowieso nicht vereinen lasse. Statt Fenster und Außenjalousien, die die Hitze draußen halten können, wird bei der Uno in Genf die Klimaanlage im Ganzjahresbetrieb brummen.

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