Unverzichtbarer Brennstoff
Kohle ist Australiens Energie-Droge

In Australien liegt die Kohle quasi auf der Straße: Statt aufwendiger Bergwerksstollen werden dort nur Bagger benötigt, um den Brennstoff abzubauen. Die Ressourcen sind umfassend und das Land exportiert die Überschüsse in die ganze Welt. Doch die Abhängigkeit der Energieversorgung von der Steinkohle hinterlässt eine katastrophale Umweltbilanz.

MELBOURNE. Cliff Kavonic wirkt nüchtern. Doch beim Thema Kohle wird der australische Bürokrat emotional: „Unsere Reserven sind enorm“, schwärmt der Entwicklungschef der Abteilung Rohstoffe in der Verwaltung des Bundesstaates Victoria. Alleine im LaTrobe Valley, einen Steinwurf von Melbourne entfernt, „liegen 70 Milliarden Tonnen im Boden“, so der Spezialist. „Das sind viele, viele Ölfelder.“

Und der Abbau ist simpel. Alles im Tagebau. Der Brennstoff liegt in etwa zehn Meter Tiefe in bis zu 300 Meter dicken, kilometerlangen Flözen. Ein Bagger, ein paar Lastwagen. „Wir haben noch für 750 Jahre Reserven“, sagt Kavonic und seine Augen glänzen.

Wäre Kohle eine Droge, wäre Australien süchtig. Mehr als 75 Prozent seiner Energie produziert das Land aus Kohle, in Victoria sogar 90 Prozent. Umweltfreundlichere Energiequellen wie Gas und regenerative Energien spielen bei der Stromerzeugung mit einem Anteil von 14 und acht Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Und in keinem Land der westlichen Welt ist Elektrizität so günstig wie in Australien. Energieintensive Wirtschaftszweige wie die Stahlherstellung prosperieren nicht zuletzt dank des billigen Stroms aus den Kohlekraftwerken. Und Haushalte gehen nicht gerade sparsam mit Elektrizität um.

Drei Viertel der australischen Produktion von über 300 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr gehen ins Ausland. Das Land ist der wichtigste Kohleexporteur, hält 29 Prozent des Weltmarktes. Die kostengünstige Förderung macht die Kohle fast überall wettbewerbsfähig. Zu den Exporteinkünften des Landes steuert sie 16 Prozent bei, mehr als jedes andere Produkt. Größter Abnehmer ist Japan, das energiehungrige China holt aber rasch auf. Vor australischen Häfen warten Dutzende von Schiffen darauf, ihre Fracht laden zu können. Gäbe es bessere Fracht- und Transportanlagen, könnte Australien die Exporte des schwarzen Goldes problemlos verdoppeln.

Laut der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wird der Kohleverbrauch in den Jahren bis 2030 weiter steigen. China und Indien sollen dann nach Schätzungen der IEA fast vier Fünftel der Kohle weltweit verbrauchen. „Es ist klar, dass die Nachfrage in China weiterhin sehr stark zunehmen wird“, meint der Kohle-Analyst Clyde Henderson.

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