USA
Weltpremiere für CO2-freies Kohlekraftwerk

Die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid - Carbon Capture and Storage, kurz CCS - kommt in Deutschland nicht recht voran. Der französische Industriekonzern Alstom beweist nun, dass CCS machbar ist - mit einem Kraftwerksprojekt in den USA. Ein deutsches Unternehmen ist mit von der Partie.
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NEW HAVEN. In West Virgina ist schon länger keine Geschichte mehr geschrieben worden. Seit Freitag jedoch kann sich der US-Bundesstaat rühmen, weltweit eine Vorreiterrolle zu spielen: Das erste Kohlekraftwerk, das die komplette Kette der CCS-Technologie umfasst, steht im Städtchen New Haven. Michael G. Morris, Chef des US-Energiekonzerns American Electric Power (AEP), scheut sich bei der Eröffnung nicht, von "einem der historisch bedeutsamsten Momente in der großartigen Geschichte des glorreichen West Virginia" zu sprechen. Das ist vielleicht etwas dick aufgetragen, tatsächlich jedoch hat das Projekt am Ufer des Ohio River wegweisenden Charakter.

Was haben AEP und Alstom gemeinsam geleistet? Sie haben eine Anlage in Betrieb genommen, die das Treibhausgas Kohlendioxid bei der Stromproduktion auswäscht und das abgetrennte Kohlendioxid deutlich mehr als einen Kilometer unter die Erde presst, damit es dort dauerhaft gespeichert bleibt. Beim Thema Speicherung ist auch ein deutsches Unternehmen eingebunden: Der Energiekonzern RWE bringt als Projektpartner seine Erfahrungen ein.

Die Energiebranche schaut mit großem Interesse auf die Demonstrationsanlage in New Haven. Was hier im kleinen Maßstab funktioniert, könnte die Rettung für den Energieträger Kohle bedeuten: Kohle ist zwar weltweit reichlich vorhanden, ihre Verbrennung jedoch belastet das Klima stark. Also muss das Kohlendioxid unter die Erde.

Die von Alstom konzipierte Anlage des AEP-Konzerns wird pro Jahr 100 000 Tonnen Kohlendioxid abscheiden und unterirdisch verpressen. Die Stromerzeugungskapazität liegt bei 20 Megawatt. Zum Vergleich: Das Kohlekraftwerk, an das die Anlage angedockt wurde, hat eine Gesamtkapazität von 1 300 Megawatt, der allergrößte Teil des Kohlendioxids entweicht also noch immer in die Atmosphäre.

Alle namhaften Anlagenbauer widmen sich derzeit intensiv dem Thema CCS, eine Reihe von Projekten ist auch in Europa in der Pipeline. Und am Kraftwerksstandort Schwarze Pumpe in Brandenburg betreibt der Vattenfall-Konzern bereits seit vergangenem Jahr eine Demonstrationsanlage mit 30 Megawatt. Allerdings gibt es einen großen Unterschied zu der Anlage in West Virginia: Vattenfall scheidet das Kohlendioxid ab und lagert es in Tanks. Dauerhafte Speichermöglichkeiten werden erst noch erprobt.

Da sind die Amerikaner einen Schritt weiter. "Hier in West Virginia bietet sich für uns eine sehr gute Gelegenheit, den gesamten CCS-Prozess in einem Rutsch darzustellen und zu erproben", sagt Johannes Heithoff, Forschungschef bei RWE Power.

In Deutschland kann RWE solche Erfolge noch nicht vorweisen. Pläne des Unternehmens, ab 2015 abgetrenntes Kohlendioxid durch eine Pipeline vom Kraftwerksstandort im nordrhein-westfälischen Hürth bis nach Schleswig-Holstein zu leiten, um es dort dauerhaft unterirdisch zu speichern, stoßen auf großen Widerstand. Insgesamt hat die Branche hierzulande beim Thema CCS schwer zu kämpfen: Bürgerinitiativen wehren sich gegen unterirdische Speicher. Ein CCS-Gesetz scheiterte in diesem Sommer, weil die alte schwarz-rote Bundesregierung sich nicht einigen konnte. Die künftige Regierung will das Thema in Kürze erneut aufgreifen.

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  • in mehr als 800 Metern Tiefe beträgt der Durck einer Wassersäule mehr als 80 bar. Dann ist CO2 flüssig und dichter als Wasser. Es wird also nicht von selbst wieder herauf kommen. Das ist die idee hinter den salinen Aquiferen. Das geht so lange gut, wie es keine Grundwasserströmungen in diesen Schichten gibt. Die würden das CO2 aufnehmen und langsan in höhere Schichten bringen. Dort kann es wieder ausgasen und kommt als Sprudelwasser zurück.
    Die Technik wird wahrscheinlich auch in 20 Jahren noch mehr als 30 Euro/tonne CO2 kosten. Erstens wegen des Zusatzaufwandes der Abscheidung, zweitens wegen des zusätzlichen Energiebedarfs. Statt 46% nur 36% Wirkungsgrad bedeutet fast 28% mehr Kohle verbrennen. Die ist doch nicht kostenlos. Die Strompreise werden entsprechend steigen. billiger wäre es das CO2 durch Pflanzen dort binden zu lassen, wo heute keine wachsen - in der Wüste. Geeigneten Pflanzen erzeugen zusätzlich noch Pflanzenöl oder anderen biotreibstoff. Details dazu findet man auf folgender Seite:
    http://www.humane-wirtschaft.de/01-2010/Herres_Rettung-des-Weltklimas.pdf
    Das CO2 muß wieder aus der Luft geholt werden. Die Klimaerwärmung ist keine Spinnerei und hängt wesntlich vom CO2-Gehalt der Luft ab. Durch den hohen CO2-Pegel versauern inzwischen schon die arktischen Ozeane und die Schalen der Muscheln lösen sich auf. Würde man das Erdöl vollständig durch Pflanzenöl ersetzen - dazu braucht man 10% der weltweiten Wüstenfläche - könnte jahrlich die 1,5-fache Menge CO2 eingesammelt werden und dauerhaft in den Pflanzen gebunden werden, wie heute frei wird. Man braucht Meerwasserentsalzungs-anlagen, die mit der Abwärme großer solart-hermischer Kraftwerke, statt Kohlekraftwerke betrieben werden. Dadurch spart man zusätzlich das CO2 ein, welches durch die Kohleverbrennung frei wird. Diese Methode ist billiger und sicherer als CCS.

  • ob das die grünen in hamburg auch gelesen haben ?
    dort wird ein neues ,im bau befindliches kohlekraftwerk auf gas umgerüstet.
    die grünen sind von gestern,das ist der beste beweis für diese these !!!

  • Was heißt Kasse stimmt? Die Technologie ist teuer und erst mal ein Versuch die bald noch höheren Ansprüche an das Thema "Clean Air" zu erfüllen. Diese Versuche kosten viel Geld und rechnen sich noch nicht.

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