Verhaltensmaßregeln
Moderne Compliance ist mehr als Pflichterfüllung

Unternehmen, die Umwelt-, Sozial- und ethische Standards nicht erfüllen, riskieren Umsatzverluste und Gewinneinbußen oder Imageschäden – und lassen sich Chancen auf Kostensenkungen und Innovationen entgehen. Denn Compliance bedeutet heutzutage nicht nur, Gesetze einzuhalten, sondern auch gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen.

Es geht um Werte-Management, Stakeholder-Management und Antikorruptionsmanagement. Wie bedeutsam das ist, zeigen der jüngste Korruptionsskandal bei Siemens, der das Image des Konzerns beträchtlich schädigte, und der tiefe Fall des Musterschülers BP, der auf Solarenergie setzte, aber Ölleitungen in Alaska und Texas verrotten ließ. Und angesichts des Klimawandels und der steigenden Energiekosten ist frappierend, dass ein großer Teil der Unternehmen keine systematische Analyse ihres Energieverbrauchs hat – geschweige denn ein aktives Energie- und Compliancemanagement.

Gesellschaftliche Ansprüche, darunter aktiver Klimaschutz und Ressourcenschonung, erfordern verantwortliches Wirtschaften. Es beginnt mit Selbstverpflichtungen oder freiwillige internationale Standards wie dem Global Compact, mündet später aber oft in gesetzliche Regelungen. So geschehen beim Emissionsrechtehandel für Kohlendioxid. Oder beim Haftungsrecht: seit dem 30 April haften Unternehmen wesentlich umfangreicher als bisher für Umweltschäden: nicht nur für Vermögens- und Personenschäden, sondern auch für Schäden an Böden, Gewässern, Ökosystemen und der Artenvielfalt. Es ist also sinnvoll, vorausschauende Compliance über gesetzliche Vorgaben hinaus zu betreiben. Darauf sind Firmen aber meist nicht ausreichend vorbereitet. 44 Prozent haben keinen Überblick über ihre Ausgaben für „Compliance“, ergab eine Umfrage von PricewaterhouseCoopers. Mehr als die Hälfte der befragten Manager kennt deren Wertschöpfung nicht.

Chemiekonzern BASF, Pharmaunternehmen Merck und die RAG BeteiligungsAG hingegen haben darum einen „Chief Compliance Officers“, der auch die Einhaltung von Verhaltenskodizes sicherstellen soll. Das Zentrum für Wirtschaftsethik bietet eine Weiterbildung „Business Ethics & Compliance Management“, die Know how und Kompetenz vermittelt, um bei Zielkonflikten richtig zu entscheiden.

Compliance dient der Risikovorsorge, auch bei den Beziehungen zu Banken. Die müssen angesichts der strengeren Eigenkapitalrichtlinien von Basel II strengere Risikokriterien anlegen - und daher auch prüfen, ob mit Krediten an Unternehmen ökologische und soziale Risiken verbunden sein könnten. Es reicht in der Bankenwelt nicht mehr, nur bei offensichtlichen Umwelteffekten eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu fordern, sondern Kreditgeber müssen Unternehmen generell besser durchleuchten.

Im Verhältnis zu Investoren wird freiwillige Compliance ebenfalls immer wichtiger. Jenseits rechtlicher Pflichten fordern zum Beispiel beim „Carbon Discolure Project“ 280 institutionelle Investoren mit einem verwalteten Vermögen von 2400 Billionen Dollar von den 2 400 weltgrößten Börsenkonzernen Emissionssenkung und Klimastrategien. Wer diesen Anforderungen nicht gerecht wird, wird öffentlich angeprangert und riskiert, kapitalkräftige Anleger zu verlieren. Indirekt wirkt sich das auch für nicht börsennotierte Unternehmen und Mittelständler aus, die als Zulieferer vom Wohl und Wehe der Großkonzerne abhängen und von ihnen zunehmend zu vermehrtem Umweltschutz aufgefordert werden.

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