Versorger
Die Erneuerbaren kommen aus der Nische

Lange haben sich die großen deutschen Energiekonzerne bei den erneuerbaren Energien zurückgehalten, nun wollen sie das große Rad drehen. Während kleineren Projektgesellschaften in der Krise die Finanzmittel ausgehen, investieren die Versorger Milliarden in Windparks und Solarkraftwerke.
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DÜSSELDORF/FRANKFURT. Solarenergie aus der Wüste, eingefangen von riesigen Kollektoren und per Leitung nach Europa transportiert – das visionäre Projekt Desertec elektrisiert Politiker, Umweltschützer und Technologiekonzerne. Auch die deutschen Versorger Eon und RWE sind dabei – wenn auch noch mit einer großen Portion Skepsis.

Desertec steht dabei symbolhaft für das Engagement der deutschen Energiekonzerne bei den erneuerbaren Energien: Sie haben lange gezögert, aber endlich das Potenzial erkannt. Während sich kleinere Projektgesellschaften zurückziehen, investieren die Versorger Milliarden.

„Wir müssen die erneuerbaren Energien aus dem Nischendasein herausführen und Projekte im industriellen Maßstab realisieren“, sagt Eon-Chef Wulf Bernotat. Jetzt stünden Großprojekte an – und die damit verbundenen „technologischen, finanziellen und logistischen Herausforderungen“ könnten nur von „leistungsstarken Unternehmen“ gestemmt werden.

Eon wird im kommenden Jahr in Texas den mit einer Leistung von 800 Megawatt (MW) größten Onshore-Windpark der Welt fertigstellen. Und am Projekt für die größte Offshore-Anlage, die vor der britischen Küste nahe London mit 1 000 MW Strom für 750 000 Haushalte produzieren soll, ist der Konzern auch beteiligt. Eon hat 2007 eine eigene Tochter für erneuerbare Energien gegründet, seither schon vier Mrd. Euro in den Bereich investiert und wird in den kommenden drei Jahren weitere vier Mrd. Euro ausgeben. Mit jedem vierten Euro, den Eon in die Stromerzeugung pumpt, werden Windräder, Solar- oder Biomasseanlagen gebaut. 2007 verfügte der Konzern über Windkraft-Kapazitäten von 450 MW, inzwischen sind es 2 300 und 2015 sollen es sogar 10 000 MW sein.

Konkurrent RWE geht ebenso entschlossen vor. Pro Jahr will der Konzern mindestens eine Mrd. Euro investieren. Anfang 2008 gründete RWE die Grünstromtochter Innogy und gewann mit Fritz Vahrenholt einen der renommiertesten Manager der Branche als Chef. Damals produzierte RWE mit 1 100 MW erneuerbare Energie. Bis 2012 sollen 4 500 MW in Betrieb oder im Bau sein.

Die rasante Entwicklung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beiden Großkonzerne die Entwicklung lange verschlafen und die neuen Techniken belächelt haben. Große Energieunternehmen wie Eon seien „keine Vorreiter“ gewesen, räumt selbst Bernotat ein. Auch RWE hatte unter Ex-Chef Harry Roels das Geschäftsfeld stiefmütterlich behandelt und sich aus lukrativen Projekten zurückgezogen.

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