Viel Verbesserungspotenzial
Der lange Weg zum sauberen Strom

Musterknaben sehen anders aus: Sechs der zehn klimaschädlichsten Kraftwerke innerhalb der Europäischen Union stehen in der Bundesrepublik – so das Fazit einer aktuellen Studie der Umweltorganisation WWF. Die deutschen CO2-Schleudern sind allesamt Braunkohlekraftwerke.

DÜSSELDORF. Mit einem Ausstoß von bis zu 1140 Gramm Kohlendioxid pro erzeugter Kilowattstunde Strom haben diese Meiler eine deutliche schlechtere Klimabilanz als die mit Steinkohle betriebenen Anlagen. Hier entstehen höchstens 900 Gramm CO2.

Das Potenzial zur Verringerung der CO2-Emissionen in der deutschen Energiewirtschaft ist enorm. Sie verursacht derzeit rund 45 Prozent des Ausstoßes des Klimagases. Der Hauptanteil entsteht bei der Verstromung von Braun- und Steinkohle – und hier will die Bundesregierung nun gegensteuern. In Meseberg verständigten sich die Ministerien im August darauf, den jährlichen Ausstoß der Kraftwerke in Deutschland um 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu senken.

Als einen „Quantensprung in der Klimapolitik“ bezeichnet Umweltminister Sigmar Gabriel den Beschluss. Zudem soll eine Verdopplung der Kraft-Wärme-Kopplung 20 Millionen Tonnen Einsparung bringen. Die Nutzung der Abwärme sorgt bei fossil befeuerten Kraftwerken für den größten Schub an Effizienz. Das zeigen etwa Blockheizkraftwerke, die mit Erdgas betrieben werden. Diese Variante der Energieerzeugung hat den besten Wert aller fossilen Optionen.

Kohlekraftwerke ohne Auskopplung von Wärme erreichen hingegen nur mäßige Wirkungsgrade. Zwar wurde die Ausbeute der Anlagen in den vergangenen Jahren mit viel Aufwand gesteigert, aber an die Werte von modernen Gaskraftwerken, die mehr als 58 Prozent Wirkungsgrad erreichen, kommen Kohlemeiler einfach nicht heran. Das 2002 fertig gestellte Kraftwerk Niederaußem erzielt als das derzeit effizienteste Braunkohlekraftwerk Deutschlands gerade eine Ausbeute von 43 Prozent. Und dabei ist die Energie, die für Gewinnung und Transport der Kohle gebraucht wird, noch nicht einmal mitgerechnet. Auch Steinkohlekraftwerke liegen im Wirkungsgrad kaum höher, meist nur um zwei bis drei Prozentpunkte.

Ein gewisses Potenzial zur CO2-Minderung bringen bei Kohlekraftwerken höhere Dampftemperaturen, die aber in der Regel erst durch eine verbesserte Qualität des beim Bau verwendeten Materials ermöglicht werden. Unter dem Namen „Comtes 700“ wird neue Hochtemperaturtechnik derzeit im Eon-Kraftwerk Scholven in Gelsenkirchen erprobt. Die Testanlage soll zeigen, dass durch den Einsatz neuer Komponenten – vor allem aus nickelbasierten Werkstoffen – die Effizienz von Kohlekraftwerken erhöht werden kann.

Ziel ist, Kraftwerke bei Dampftemperaturen von 700 Grad und einem Druck von 350 bar zu betreiben. Doch auch bei Bestandsanlagen wird noch an Verbesserungen gearbeitet: Die EnBW zum Beispiel will im Rahmen eines Retrofit-Programmes die Form von Turbinenschaufeln optimieren.

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