Waldbrände um Fort McMurray

Warum Kanadas Wälder so gut brennen

Zehntausende mussten vor dem riesigen Feuer in der kanadischen Provinz Alberta bereits fliehen. Waldbrände gehören in dieser Region zwar zum Ökosystem, aber ihre Ausmaße nehmen durch menschliche Einflüsse zu.

Zaghafte Zuversicht: Kampf gegen die Waldbrände in Kanada

HeidelbergMehrere zehntausend Menschen mussten in den vergangenen Tagen ihre Häuser in und um Fort McMurray in der kanadischen Provinz Alberta verlassen, mindestens 1600 Gebäude wurden bereits ein Raub der Flammen. Und noch immer ist der Waldbrand rund um das Erdölzentrum nicht unter Kontrolle.

Begünstigt wurde das Feuer von den extremen Wetterbedingungen in diesem Frühjahr: Außergewöhnlich zeitig erreichten die Temperaturen in Alberta Höchstwerte von mehr als 30 Grad Celsius – über 20 Grad Celsius mehr als für Ende April, Anfang Mai üblich. Dazu kamen starke Winde, welche die Brände immer wieder anfachten. Das Feuer galt zeitweise sogar bereits unter Kontrolle, doch drehte dann der Wind und trieb die Flammen Richtung bewohntes Gebiet.

Großfeuer wütet in Kanadas Ölsand-Hauptstadt
Das Feuer verwüstet ganze Städte
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Meterhoch schlagen sich die Flammen durch die kanadische Provinz Alberta, Wind trägt das Feuer weiter nach Norden. Tote oder Verletzte gibt es bislang nicht, doch Zehntausende Menschen bangen um ihr Zuhause.

Feuer in Fort McMurray
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90.000 Menschen hat das Feuer in die Flucht geschlagen. Die Stadt hat deswegen weiträumige Evakuierungen veranlasst.

Flucht vor Inferno
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Berichten zufolge erschwerten Benzinknappheit und Staus die Evakuierung. Feuerwehrleute hatten zudem wegen ungünstiger Wetterbedingungen Schwierigkeiten, die Flammen in Schach zu halten. Fort McMurrays Feuerwehrchef Darby Allen sprach von einem „ekelhaften, dreckigen Feuer“ und dem schlimmsten Tag seiner Karriere bei der Feuerwehr. Die Einsatzkräfte erwarteten, dass der Wind die Brände noch weiter nach Norden trägt.

Polizisten überwachten die Evakuierung
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An den Kreuzungen postierten sich Polizisten, um zu verhindern, dass die Einwohner von der vorgegebenen Route abweichen, um Habseligkeiten aus ihren Häusern zu retten. Über der Stadt kreisten drei Armeehubschrauber, um Alarm zu schlagen, falls die Flammen dem Highway 63 zu nahe kommen sollten.

Staus auf den Straßen
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Auf den Straßen Richtung Norden bildeten sich lange Staus, nachdem die Polizei alle in den Süden führenden Routen gesperrt hatte.

Die Ersten erreichen die Notunterkünfte
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Die flüchtenden Menschen kamen in Notunterkünften unter. „Unsere Teams setzen sich in Bewegung, um die betroffenen Menschen, Familien und Gemeinden auf jede mögliche Art zu unterstützen“, sagte Jean-Philippe Tizi, Vizepräsident für Notfallmanagement beim Roten Kreuz, das auch zu Spenden für die Betroffenen aufrief.

Winde fachen die Brände an
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Das Feuer war schon am Wochenende südwestlich der Stadt ausgebrochen, starker Wind trieb die Flammen dann am Dienstag nach Fort McMurray. Die Provinz Alberta hatte 2015 die schlimmste Dürre seit 50 Jahren erlebt und leidet seit vergangener Woche unter einer Hitzewelle.

Bereits der Winter in der Region war überdurchschnittlich mild und trocken, was mit dem mittlerweile abgeflauten El Niño zu tun hat: Er wirkt sich in diesem Teil der Erde durch verringerte Niederschläge und erhöhte Temperaturen aus. Nach dem letzten so genannten Super-Niño 1997/98 erlebte Kanadas Westen eine besonders heftige Waldbrandsaison, was für dieses Jahr wenig Gutes erwarten lässt.

Die Feuersaison hat sich verlängert

Die Wetteranomalie ist aber nur ein Grund, warum sich Waldbrände in Kanadas borealen Nadelwäldern häufen und heftiger werden. Auch die Erderwärmung spielt eine wichtige Rolle. Steigende Durchschnittstemperaturen haben dafür gesorgt, dass sich die Feuersaison seit den 1970er Jahren verlängert hat. Sie beginnt mittlerweile einen Monat früher als vor 40 Jahren. In Alaska dauert sie sogar 40 Prozent länger als beispielsweise 1950.

Eine Studie im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ hat 2013 zudem gezeigt, dass die borealen Nadelwälder Kanadas, Alaskas und Russlands heute in so hohen Raten brennen, wie es seit Ende der letzten Eiszeit nicht der Fall war. Um eine durchschnittliche Erwärmung um ein Grad Celsius zu kompensieren, müssten in der Region die Niederschläge um 15 Prozent zunehmen, haben Wissenschaftler um Mike Flannigan von der University of Alberta kalkuliert. Diese Zunahme hat aber noch nicht stattgefunden.

Wetter und Klima sind jedoch nicht die einzigen Faktoren, welche Waldbrände in den Nadelwäldern der Region beeinflussen. Feuer bilden hier einen natürlichen Bestandteil des Ökosystems und kehren regelmäßig wieder. Früher wurden sie vor allem durch Blitze ausgelöst, und sie verwandelten totes Pflanzenmaterial in erneut verfügbare Nährstoffe um.

Zugleich schaffen die Flammen Platz für junge Bäume, die den abgebrannten Altbestand ersetzen und erneuern. Viele Pflanzenarten sind daran angepasst und haben entweder Schutzmechanismen entwickelt oder setzen darauf, dass ihre Samen rasch keimen, sobald das Feuer abgeklungen ist.

Kontraproduktive Feuerpolitik
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