Wassernutzung: Investoren fordern von Konzernen Klarheit

Wassernutzung
Investoren fordern von Konzernen Klarheit

Investoren fordern von Aktiengesellschaften mehr Transparenz bei der nachhaltigen Wassernutzung. Eine Nachhaltigkeitsinitiative verlangt Detaildaten über die Abhängigkeit von dem Rohstoff. Viele Firmen verschleiern vorhandene Risiken.
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BerlinIn dieser Woche bekommen die Chefs von Großkonzernen wie BASF und VW Post: Heute werden 137 namhafte Investoren, die sich im des Carbon Disclosure Project (CDP) zusammengeschlossen haben, ihren Brief an 302 Top-Konzerne aus wasserintensiven Branchen vorstellen. Sie fordern angesichts hoher Risiken mehr Informationen. Beteiligt sind 13 deutsche Finanzinstitute, darunter Allianz, Deka und Union Investment vertreten.

Durch industrielle und agrarische Nutzung sind bereits zahlreiche Quellen, Seen und große Flüsse versiegt und fossile Grundwasserseen leer gepumpt. So hat der Baumwollanbau die Austrocknung des Aralsees verursacht.

Physische, regulatorische, rechtliche und Reputationsrisiken für Unternehmen sind beträchtlich: Sie können direkt Produktionskapazitäten und Gewinnmargen gefährden. So verloren Agrarfirmen in Kalifornien 2009 eine Milliarde Dollar und 21 000 Jobs aufgrund mangelnder Wasserversorgung. Nestlé stoppte im September nach Jahren heftiger Proteste der ortsansässigen Bevölkerung eine geplante Flaschenabfüllanlage für Quellwasser in Kalifornien, berichtete die US-Investoreninitiative Ceres.

Auch von zwölf Dax-Konzernen verlangt die Gruppe mehr Informationen: von BASF, Bayer, Beiersdorf, BMW, Daimler, Eon, Linde, Metro, RWE, Siemens, Thyssen-Krupp und VW. Alle angesprochen Konzerne gehören zu den größten 500 Unternehmen aus der FTSI Global Equities Index-Serie, die das CDP seit 2002 zu Klimadaten befragt.

Wasserabhängige Unternehmen müssten über Wasserschutz ebenso Rechenschaft ablegen wie über ihre Aktivitäten im Klimaschutz, forderte Caspar von Blomberg, Geschäftsführer des CDP Deutschland. Dem CDP legen von Jahr zu Jahr mehr Firmen Klimainformationen offen. Es hat daraus die weltgrößte Datenbank zu dem Thema aufgebaut.

Die große Mehrheit der Börsenunternehmen lege ihre wasserbezogenen Risiken nicht angemessen dar, kritisiert die Investorengruppe Ceres, deren Mitglieder mehr als acht Billionen Dollar verwalteten, in einem mit UBS und Bloomberg erstellten Bericht. Die meisten Unternehmen gäben zwar Basisinformationen wie den Wasserverbrauch an, aber keinerlei damit verbundenen Risikoeinschätzungen und Leistungsdaten in ihren Finanzberichten. Es fehlten messbare Ziele, Angaben zu Managementstrukturen, zur Wasserversorgung in trockenen Gebieten, zur Wasserabhängigkeit von Zulieferern sowie zu den Auswirkungen der eigenen und der Zulieferergeschäfte auf Wasserqualität und -verfügbarkeit für andere Anspruchsgruppen, kritisiert Ceres. Auch die US-Börsenaufsicht SEC warnt: "Änderungen bei der Verfügbarkeit oder der Qualität von Wasser ? können erhebliche Effekte für Unternehmen haben."

Selbst der transparenteste Konzern, der britische Getränkehersteller Diageo, kam nur auf 43 Punkte. BASF und Linde erhielten nur 20 respektive zehn von 100 möglichen Punkten. Selbst wenn die Autoren wohl nicht alle Firmendaten beachteten, gibt es Verbesserungsbedarf. So heißt will sich Linde jetzt an Zielsetzungen machen. "Im Zuge unserer Teilnahme am ,CDP Water Disclosure 2010? werden wir unser Wassermanagement noch detaillierter beschreiben und unsere Angaben weiterführend erläutern", sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Da immer mehr Investoren und Ratingagenturen das wünschen, hat BASF die Transparenz beim Thema Wasser inzwischen erhöht. "BASF ist ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ein wichtiges Anliegen - wir kommunizieren verstärkt Ziele, Aktivitäten, den Zielerreichungsgrad und die Wasserbilanz. Seit Februar 2010 bieten wir dazu gebündelte Informationen auf einer neuen, speziellen Webseite", sagte Thorsten Pinkepank, Leiter der Nachhaltigkeitskoordination bei BASF, dem Handelsblatt. In die Ökoeffizienz-Analyse für Produkte und Verfahren seien seit 2009 neben Emissionen ins Wasser auch lokale Wasserknappheiten einbezogen.

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Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin

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