Wellenkraft
Kraftpaket Ozean

Die Kraft der Wellen gilt als eine mögliche Energiequelle der Zukunft. Verschiedene Formen von Offshore-Pionieranlagen ernten schon seit einiger Zeit Wellenenergie aus dem Meer. Doch noch sind nicht alle technischen Herausforderungen gemeistert.
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HEIDELBERG. Wenn etwas seit Anbeginn stetig blieb in unserer Welt, so war es das ewige Hin und Her der ozeanischen Wassermassen. Kaum verwunderlich, dass der Mensch dieses unerschöpfliche Reservoir der Bewegungsenergie anzapfen will, um Energie für eigene Zwecke zu speichern und zu nutzen. Ozeanwellen Energie abzutrotzen, verspricht allerdings ein weit härterer Kampf zu werden als der mit längst ausgereiften Wasserkraftwerken in den Flüssen der Kontinente.

Ein paar Gründe dafür haben nun die Wellenkraftexperten Jeff Scruggs und Paul Jakob zusammengefasst - mitsamt Argumenten dafür, warum Ingenieure sich der Herausforderung „rentables Wellenkraftwerk“ dennoch unbedingt weiter stellen sollten. Der Hauptgrund ist eine auf den ersten Blick hohe Zahl: Mindestens 280 Terawattstunden pro Jahr könnten sich allein an Europas Küsten aus dem Meer in die Stromnetze ziehen lassen, errechneten Forscher schon im vergangenen Jahrtausend. Doch damit könnte Offshore-Wasserkraft allein heute nicht mehr als die Hälfte des derzeitigen deutschen Stromverbrauchs decken. Lohnt der Aufwand?

Wellen haben Tücken, beginnen die Forscher von der Duke University in Durham und MMI Engineering in Houston die problematischen Aspekte des Energieträgers bewegter Ozean zu umreißen. So verteilt sich die innewohnende Kraft über eine große Fläche - eben die gesamte Front und Breite der Woge -, und diese Wellen schwappen dann zudem notorisch unregelmäßig nacheinander. Ein Rotor in einem stromerzeugenden Generator wird demnach nur unstetig angetrieben - während gleichzeitig eine Menge Energie einer Wellenfront ungenutzt vorbeirauscht.

Aus all dem haben verschiedene Ingenieure verschiedene Schlüsse gezogen - die Designs der derzeit erprobten Wellenkraftwerke könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf breiter Front statt mit kleinen Rotoren agiert etwa das Prinzip Seeschlange, der „Pelamis“. Er besteht aus vier 30 Meter langen Zylindertonnen, die durch Hydrauliken zu einer langen, auf der Meeresoberfläche dümpelnden Kette zusammengeschlossen sind.

Das Schaukeln der Dünung bewegt Kolben zwischen den einzelnen Elementen, die Öl unter hohem Druck durch stromerzeugende Generatoren pressen. Einige Einzelwellen hintereinander werden so genutzt - das Problem, wechselnde Wellenfrequenzen abfangen zu müssen, besteht im Prinzip nicht. Der Prototyp des Systems war in Schottland erfolgreich - seit letztem Jahr liefert eine Anlage aus vier Seeschlangen vor Portugal bis zu 2,25 Megawatt.

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