Weltklimagipfel
Ringos und Bingos im Clinch

Bei der Party der Nichtregierungsorganisationen tanzen die Menschen vorzugsweise barfuß. Für Musik sorgen ein paar Trommler. Und wer etwas trinken will, muss eine Wertmarke kaufen. Die Feier direkt am Strand bewegt sich irgendwo zwischen studentischem Sommerfest und Happening. Das soll der Weltklimagipfel sein?

NUSA DUA. Zumindest wird bei der Party deutlich, wer das Bild der wichtigen Konferenz auf Bali prägt. Es sind die verschiedenen Non-Profit-Organisationen, eingeteilt in Engos (Environmental Non-Governmental Organisations), Ipos (Indigenous People Organisations) und Ringos (Research and Independent Non-Governmental Organisations). Um die 6 000 Leute stellen diese Gruppierungen insgesamt, Tendenz in der zweiten Woche der vierzehntägigen Konferenz stark steigend. Und wer vertritt die Belange der Wirtschaft? Das tun die Bingos, die Business and Industry Non-Governmental Organisations. Sie haben hier einen schweren Stand. Zahlenmäßig sind sie hoffnungslos unterlegen. Damit sie sich dennoch Gehör verschaffen, brechen sie mit alten Ritualen und rücken zugleich enger zusammen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Wirtschaft in der Debatte um den Klimaschutz keine tragende Rolle spielt. Der Klimaschutz war vor wenigen Jahren noch ein Thema, das in vielen Chefetagen belächelt wurde. Und solange es noch üblich war, an den Erkenntnissen der Klimaforscher zu zweifeln, beobachtete man die Diskussion in der Mehrzahl der Unternehmen mit einer Mischung aus Verwunderung und Desinteresse.

Das alles hat sich verändert. Die Wirtschaft hat erkannt, dass sie es sich nicht leisten kann, im Zusammenhang mit dem Klimaschutz allein vor hohen Kosten zu warnen. Sie will raus aus der Schmollecke und eine aktivere Rolle spielen. „Früher hat die Wirtschaft beim Thema Klimawandel zunächst die wirtschaftlichen Risiken und Probleme gesehen. Die sehen wir heute auch noch, aber heute stehen für uns die Chancen viel mehr im Vordergrund“, sagt Klaus Mittelbach, Umweltexperte des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Mittelbach vertritt die Interessen des Verbandes bei der Weltklimakonferenz.

Damit der Sinneswandel auch anschaulich wird, will die Wirtschaft in Bali Flagge zeigen. Zum Beispiel beim „Bali Global Business Day“, der heute auf der Weltklimakonferenz stattfindet. Veranstaltet wird der Business Day vom World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) und von der International Chamber of Commerce (ICC). Damit üben zwei Organisationen den Schulterschluss, die in Sachen Klima- und Umweltschutz bislang nicht für eine durchgehend gemeinsame Linie bekannt waren. Während der WBCSD das Thema Nachhaltigkeit schon im Namen führt, steht der ICC eher für eine traditionelle, zurückhaltende Position gegenüber Klima- und Umweltschutzthemen. Angesichts der öffentlichen Debatte zeigt der ICC sich nun beweglich. Am Ende des gemeinsamen Tages wird gar eine gemeinsame Erklärung von ICC und WBCSD stehen. „Wichtig ist, dass wir die durchaus unterschiedlichen Strömungen, die es weltweit in der Wirtschaft beim Thema Klimawandel gibt, hier auf Bali zusammenführen“, sagt Mittelbach. „Unter allen Beteiligten ist mittlerweile die Erkenntnis gereift, dass am Ende eine gemeinsame Botschaft der Wirtschaft stehen muss. Sonst nimmt uns die Politik als Gesprächspartner nicht ernst.“

Dass es dem BDI dennoch nicht leicht fällt, Initiativen zum Klimaschutz zu begrüßen, hat auch strukturelle Gründe. Unter dem Dach des Verbandes sind stark gegensätzliche Interessen vertreten. Elektroindustrie sowie Maschinen- und Anlagenbauer profitieren stark von der Umstellung auf effizientere Geräte. Dagegen sehen sich etwa die großen Energieversorger in der Defensive. Die Umstellung auf eine kohlendioxidärmere Stromproduktion ist für sie mit hohem Aufwand verbunden.

Trotz aller Bestrebungen der Wirtschaft, das Thema zu besetzen – bei der Weltklimakonferenz haben die Umweltschutzorganisationen das Sagen. Sie sind es, die den Dialog mit den offiziellen Delegationen der Staaten wesentlich beeinflussen. Allein aus Deutschland sind zahlreiche Vertreter von Organisationen angereist. Seitens der Wirtschaft dagegen ist das Feld übersichtlicher.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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