Weltklimakonferenz
EU setzt hohe Ziele, muss aber noch viel dafür tun

Kommende Woche soll auf Bali die Welt gerettet werden: Bei der Klimakonferenz der indonesischen Ferieninsel müssen die Vereinten Nationen ein neues weltweites Klimaschutz-Abkommen auf den Weg bringen. Doch über das „Wie“ herrscht große Uneinigkeit.

BRÜSSEL. Sechs Tage vor Beginn der Weltklimakonferenz auf Bali hat die EU von den Industriestaaten verbindliche Zusagen über einen deutlichen Abbau der Treibhausgas-Emissionen gefordert. „Wir brauchen bindende Ziele“, sagte Umweltkommissar Stavros Dimas am gestrigen Dienstag in Brüssel. Die Industrieländer müssten sich verpflichten, ihre Emissionen bis 2020 um 30 Prozent zu senken. Anders sei das Vorhaben nicht erreichbar, die Erwärmung der Erde auf zwei Grad zu begrenzen.

Bei der Klimakonferenz der Vereinten Nationen auf der indonesischen Ferieninsel Bali vom 3. bis 14. Dezember soll der Start der Verhandlungen über ein neues weltweites Klimaschutz-Abkommen beschlossen werden. Das 1997 vereinbarte Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Bei der Konferenz müsse der „Fahrplan“ für ein neues Abkommen festgelegt werden, sagte Dimas. Es müsse bis Ende 2009 ausgehandelt sein, damit die Unterzeichner-Staaten es bis 2012 umsetzen könnten. Der Weltklimarat hatte in einer groß angelegten Studie vor katastrophalen Folgen für die Umwelt und die Menschheit gewarnt, sollte die Erderwärmung nicht schnell gestoppt werden.

Die weltgrößten Treibhausgas-Emittenten USA und China weigern sich aber bisher, in einem neuen Abkommen verbindliche Klimaschutzvorgaben zu akzeptieren. „Das ist der größte Streitpunkt“, räumte Dimas ein. Er nannte es einen ersten Erfolg, dass die USA ihren Widerstand gegen den Start der Verhandlungen auf Bali aufgegeben hätten. Ermutigend sei auch, dass Australien jetzt dem Kyoto-Protokoll beitreten wolle. China und Indien müssten zwar langfristig ebenfalls bindende Ziele akzeptieren, doch seien dort die Emissionen pro Einwohner noch immer viel geringer als in den Industrieländern, betonte der Kommissar.

Die EU sieht sich als Vorreiter im Klimaschutz. Im März hatte sie sich verpflichtet, bis 2020 einseitig ihren Ausstoß von Treibhausgasen um mindestens 20 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Bei der Erfüllung ihrer Zusagen im Kyoto-Abkommen ist sie von einer Vorbildrolle aber noch weit entfernt. Dort hatten sich die 15 alten EU-Mitglieder verpflichtet, die Emissionen bis 2012 um acht Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Bis 2005 haben sie aber nur eine Reduktion um zwei Prozent erreicht, aktuellere Zahlen lägen nicht vor, so Dimas.

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