Weltklimakonferenz
In Bali treten alte Gegensätze offen zutage

Mit drängenden Appellen zur Reduktion von Treibhausgasen hat die Weltklimakonferenz auf Bali begonnen. Können die gefährdeten Orte dieser Welt vor einer Klimakatastrophe bewahrt werden? Die Interessen der Länder driften weit auseinander.

str BERLIN. Mit Appellen zu mutigen Entscheidungen hat am Montag auf Bali die Weltklimakonferenz begonnen. „Diese Konferenz wird mitbestimmen, ob Bali wie andere gefährdete Orte dieser Welt eines Tages ein verlorenes Paradies wird oder nicht“, warnte der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, bei der Eröffnung. Der Gastgeber der Konferenz, der indonesische Umweltminister Rachmat Witoelar, appellierte an seine Kollegen, den politischen Willen für einen neuen Klimaschutzvertrag aufzubringen. Allerdings traten bereits am ersten Konferenztag die erwarteten Gegensätze offen zutage.

Mehr als 10 000 Delegierte aus rund 190 Ländern wollen in Nusa Dua auf Bali in zwei Wochen den Grundstein für einen Nachfolgevertrag für die Ende 2012 auslaufende erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen legen. Dabei wird es auf Bali nicht darum gehen, konkrete Reduktionspflichten zu definieren. Ziel ist vielmehr die Ausarbeitung eines Fahrplans, der dazu führen soll, dass die Unterzeichner-Staaten des Kyoto-Protokolls bis spätestens 2009 einen Vertrag für eine zweite Verpflichtungsperiode unterschreiben. Damit würde genügend Zeit für die Ratifizierungsprozesse in den Staaten bleiben, die spätestens Ende 2012 abgeschlossen sein müssen.

Die Interessen der Länder driften weit auseinander. Entwicklungsländer wie Indonesien, aber vor allem Schwellenländer wie Indien und China fürchten, dass ehrgeizige Ziele für die Reduzierung der Treibhausgase ihr Wachstum behindern könnten. „Die Entwicklungsländer müssen wachsen, um hunderte Millionen Menschen aus der Armut zu bringen“, sagte US-Delegationsleiter Harlan Watson. „Wir akzeptieren es völlig, dass ihre Emissionen dabei steigen.“

Die USA setzten deshalb auf neue Technologien zur sauberen Energienutzung. Die Amerikaner verschließen sich dagegen konkreten Reduktionsverpflichtungen. Die USA bestehen auf der Formulierung, effektiver Klimaschutz müsse nicht nur umweltfreundlich, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig sein. Umweltschützer sprachen schon von einer „unheiligen Allianz“ zwischen den Entwicklungsländern und den USA, deren Emissionen ebenfalls rasant steigen.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte gestern in Berlin, die EU müsse in der Klimafrage eine Vorreiterrolle übernehmen: „Wir müssen als EU vorangehen.“ Sie räumte ein, es sei „für viele EU-Länder hart, die Reduktionsverpflichtungen zu erfüllen“. Dazu gebe es jedoch keine Alternative. Die deutsche G8-Präsidentschaft rief zum Auftakt der Konferenz in Bali Industrie- und Schwellenländer dazu auf, gemeinsam den Kampf gegen den Klimawandel zu verstärken. In Afrika flüchteten schon heute vermutlich mehr Menschen vor den Folgen des Klimawandels als vor Kriegen, sagte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bei einer G8-Konferenz in Berlin. Es könne von keinem Entwicklungsland erwartet werden, dass es etwas für den Klimaschutz tue, wenn es keine Antwort bei der Armutsbekämpfung gebe. Dreh- und Angelpunkt für einen erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel sei ein internationales Emissionshandelssystem.

Deutschland bringe zur Konferenz auf Bali 120 Mill. Euro mit, mit denen klimaschonende Projekte in Schwellen- und Entwicklungsländern gefördert werden sollten. Entscheidend sei, bezahlbare Technologien in Entwicklungsländer zu transferieren und dort Wohlstandszuwächse ohne höhere Emissionen zu erreichen.

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