Weltklimakonferenz
Zum Erfolg verurteilt

Die Weltklimakonferenz auf Bali bietet nach Ansicht von Fachleuten enorme Chancen, die Weichen für eine erfolgreiche und effiziente internationale Klimaschutzpolitik zu stellen. Der Europäischen Union und speziell Deutschland messen sie dabei große Verantwortung zu.

BERLIN. Trotz aller Probleme und Widerstände insbesondere seitens der US-Administration sei ein Erfolg der Konferenz wahrscheinlich, sagte Rainer Baake, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dem Handelsblatt. Baake war viele Jahre Staatssekretär im Bundesumweltministerium und gilt als einer der Architekten der deutschen Klimapolitik. „Nie waren die Vorzeichen so gut. Die Vorreiter, und dazu zählen die EU und Deutschland, haben die wissenschaftliche Community hinter sich. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung steht das Thema derzeit ganz oben auf der Tagesordnung. Das alles wird dazu beitragen, ein Scheitern der Verhandlungen zu verhindern“, sagte Baake.

Auch die Umweltorganisation WWF betonte gestern die wichtige Rolle Deutschlands und der EU. Deutschland zeige mit dem Klimaschutzpaket, das das Bundeskabinett in der nächsten Woche verabschieden will, den Weg in Richtung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft auf. Überdies habe die EU durch ambitionierte Kohlendioxidemissionsziele ihre Vorreiterrolle untermauert. Dies sei „für ein gutes Ergebnis in Bali und für erfolgreiche Verhandlungen zu einem Vertrag im Jahr 2009 von ausschlaggebender Bedeutung“.

Ziel der am Montag beginnenden Uno-Konferenz ist es, den Startschuss für einen neuen Klimavertrag zu geben. Darin sollen die bisherigen Selbstverpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase auf sehr viel mehr Staaten erweitert und über das Jahr 2012 hinaus verlängert werden. Das Abkommen soll im Anschluss an das Treffen in Bali in zweijähriger Arbeit ausgehandelt werden und an die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls, die in fünf Jahren ausläuft, anschließen.

Spätestens in acht Jahren muss Klimaexperten zufolge aber der Ausstoß der erderwärmenden Gase den Scheitelpunkt erreicht haben und dann zurückgehen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern. Der Druck auf die Staaten, sich auf Maßnahmen zu einigen, habe ein Maximum erreicht, sagt Yvo de Boer, bei der Uno für das Thema Klimawandel zuständig. „Es ist fast nicht vorstellbar, dass die politische Reaktion ausbleibt.“

Zentrales Problem der Konferenz wird es aus Sicht Baakes sein, einen Interessenausgleich mit den Entwicklungsländern herzustellen. „Das ist die Schlüsselfrage. Es wird dabei um viel Geld und um Technologietransfer gehen“, sagte der Klima-Fachmann. „Wir müssen verhindern, dass die weniger entwickelten Länder die gleichen Fehler machen, die wir gemacht haben“, sagte Baake.

Der Pro-Kopf-Ausstoß von Kohlendioxid liegt in Entwicklungsländern erheblich unter den Werten der Industriestaaten. Da wirtschaftliches Wachstum nach dem Vorbild der entwickelten Staaten stets einher geht mit einem Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen, betrachten die Entwicklungsländer Emissionsobergrenzen als Beschränkung ihrer Möglichkeiten, gegenüber den Industriestaaten aufzuholen. „Es ist in unserem eigenen Interesse, diese Länder davon zu überzeugen, einen anderen Entwicklungspfad einzuschlagen“, sagte Baake. Dazu gehört etwa der Einstieg in eine kohlendioxidarme Energiewirtschaft. Neben den Entwicklungsländern wehren sich auch Schwellenländer wie China und Indien, Verpflichtungen einzugehen, die ihrer im Aufbau befindlichen Wirtschaft schaden könnten. Erst gestern betonte die chinesische Regierung, man strebe an, dass in Bali verbindliche Ziele nur für die Industriestaaten festgelegt würden.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) weckte gestern trotz der nach wie vor offen zutage tretenden Interessengegensätze hohe Erwartungen an den Klimagipfel. Ziel sei es, sich auf ein anspruchsvolles Fernziel zu verständigen, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. So sollten sich die Staaten verpflichten, die globalen Treibhausgas-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Gabriel sagte, dass es für die Zeit bis zum Jahr 2020 ein mittleres Ziel geben müsse. „Die Wissenschaft sagt, im Schnitt müssten die weltweiten Emissionen bis dahin um 30 Prozent gegenüber 1990 sinken.“ Auch Gabriel betonte, es gehe in erster Linie darum, die Schwellenländer ins Boot zu holen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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