Weltwasserforum in Istanbul
Nicht selbst das Wasser abgraben

In Istanbul hat das 5. Weltwasserforum begonnen. Mit mehr als 20 000 Teilnehmern ist es das bislang größte Treffen dieser Art. Bis zum 22. März werden in der türkischen Bosporus-Metropole neben Wissenschaftlern und Experten aus aller Welt auch Minister aus mehr als 100 Staaten sowie 25 Staats- und Regierungschefs erwartet. Gleich zum Auftakt gab es Proteste.
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dpa ISTANBUL. Auf dem Esstisch erscheint ein Kilo Fleisch als handliches Stück. Doch für die Produktion wurden zwischen 6 000 und 20 000 Liter Süßwasser verbraucht. Mit diesem einfachen Hinweis zeigen Wasserexperten auf dem 5. Weltwasserforum in Istanbul was passiert, wenn die Zahl der Menschen und ihr Lebensstandard steigen, während sich die Trockengebiete als Folge des Klimawandels ausdehnen. Es drohen „Wasserstress“, Flucht aus Krisengebieten und im schlimmsten Fall Kriege um schwindenden Ressourcen.

Die Versorgung mit Trinkwasser ist in Gefahr, wie die UNESCO in der vergangenen Woche in einem Bericht gewarnt hat. Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaft, Lebensstil und Verhaltensmuster sind dabei die wichtigsten Faktoren beim Wasserverbrauch. Heute leben bereits 6,8 Milliarden Menschen auf der Welt. Bis 2012 sollen es siebn Milliarden sein, bis 2050 sogar neun Milliarden, so die Prognosen.

Schon jetzt haben mehr als eine Milliarde Menschen kein sauberes Trinkwasser, erklären die Organisatoren des Weltwasserforums. Im Jahr 2075 könnten drei bis sieben Milliarden Menschen in Gebieten mit chronischem Wassermangel leben.

„Der Klimawandel wird zuerst und vor allem über das Wasser zu spüren zu sein, durch Dürre, Fluten, Stürme, schmelzendes Eis oder steigende Pegel der Meere“, sagt Mark Smith, Wasserexperte der Naturschutzunion IUCN, die weltweit mehr als 1 000 Mitgliedsorganisationen hat. Der Druck auf die verbleibenden Ressourcen nehme zu. „In vielen Regionen gefährden Wasserknappheit und Verschmutzung das Wohl der Menschen immer mehr“, so Smith.

Dabei verbrauche die Landwirtschaft etwa zwei Drittel des genutzten Süßwassers in der Welt, sagt Oktay Tabasaran, Generalsekretär des 5. Weltwasserforums. „In der Landwirtschaft bieten sich die größten Sparpotenziale“, meint er. Auf dem Weltwasserforum sollen dazu die erfolgreichsten Methoden vorgestellt werden. Viele Experten drängen zur Eile.

Staaten wie die Türkei setzen zudem darauf, mehr Staudämme zu bauen und damit Süßwasser auf ihrem Gebiet zurückzuhalten. So soll Energie aus Wasserkraft erzeugt und zusätzliches Land bewässert werden. Doch die Großprojekte sind umstritten, weil sie in die Natur eingreifen, wichtige Siedlungsgebiete überfluten und den Anrainern großer Flüsse über Staatsgrenzen hinweg das Wasser abgraben können. Kritiker sagen deswegen, Großstaudämme können die Probleme nicht lösen, schaffen aber neue.

Zum Auftakt der Konferenz protestierten am Montag mehrere Nicht-Regierungsorganisationen dagegen, dass Wasser immer mehr als Wirtschaftsgut behandelt werde. Die Polizei setzte Tränengas und Knüppel ein und nahm 19 Demonstranten fest, darunter auch eine Deutsche. „Wasser ist Leben. Es kann nicht verkauft werden“, „Ausreichend Wasser für alle“ und „Keine zerstörerischen Staudämme“, hatten die Demonstranten auf ihre Plakate geschrieben.

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