Weniger Lebensraum
Vögel verschwinden von Feldern und Wiesen

Immer mehr Maisfelder, immer weniger Hecken: Die intensive Landwirtschaft nimmt vielen Vogelarten Lebensraum. Das hat drastische Folgen. Die Zahl der Feldvögel schwindet. Die EU soll die Wende bringen.
  • 5

BonnFeldspatz, Kiebitz und Rebhuhn verschwinden von den Feldern: Auf Europas Äckern, Wiesen und Weiden leben nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren. Diese alarmierende Zahl nannte am Dienstag das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn. Auf eine Art mit wachsendem Bestand kämen vier mit schrumpfendem, zitierten die Experten aus einer Untersuchung von 37 Vogelarten in der Europäischen Union.

Die letzten Jahre hätten keine Erholung gebracht. „Allein in Deutschland sind seit 1990 mehr als eine Million Feldlerchen verstummt, eine Entwicklung, die besorgniserregend ist“ sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. „Denn dies ist nur ein Beispiel von vielen Arten, deren Bestände unter der Intensität der Landnutzung leiden.“ Das Amt kritisierte unter anderem die wachsenden Maisfeldflächen.

Die bisherige Förderpolitik der Europäischen Union gegenüber der Landwirtschaft habe „den Trend zu natur- und umweltschädigenden Praktiken verstärkt“, kritisierte das Bundesamt in seiner Mitteilung. Es gebe erheblich weniger Grünland in Deutschland, die Ackernutzung sei intensiviert, der Maisanbau verstärkt worden. Zudem seien vielfach Hecken und Feldraine verschwunden. Dies alles habe den Charakter der Agrarlandschaften stark verändert, biologische Vielfalt sei verloren gegangen. Zudem würden Böden und Grundwasser durch die intensivere Landnutzung stark belastet.

Vogelforscher sprechen von deutlichen Einbrüchen bei bekannten Feldvogelarten in Deutschland. „In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es beim Feldsperling eine Verringerung auf zwei Drittel des Bestandes, beim Kiebitz haben wir sogar nur noch etwa ein Drittel der Vögel“, berichtete der Vorsitzende des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten, Bernd Hälterlein. „Der europaweite Bestandseinbruch beim Rebhuhn hat mit über 90 Prozent in den letzten drei Jahrzehnten inzwischen dramatische Ausmaße angenommen.“ Vögel gelten als zuverlässige Indikatoren für den Zustand der biologischen Vielfalt.

Das Bundesamt drängt auf eine Wende in der europäischen Agrarpolitik. Ein wichtiger Schritt sei, dass die EU-Kommission plane, künftig den Bezug von Direktzahlungen an die verpflichtende Einhaltung naturverträglicher Bewirtschaftungsmethoden zu knüpfen. „Mit der Verpflichtung eines jeden Betriebs, mindestens sieben Prozent ökologische Vorrangflächen bereitzustellen - ausgenommen sind Ökolandbaubetriebe -, könnten wichtige Lebens- und Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten geschaffen und damit ein Beitrag zu einer naturverträglicheren Landbewirtschaftung geleistet werden.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Weniger Lebensraum: Vögel verschwinden von Feldern und Wiesen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mit angeblichem Klimschutz (Riesenbetrug) und Umweltschutz, wird die Tier- und Pflanzenwelt schwer geschädigt. Nicht nur die Vogelwelt, sondern auch die sonstige Tierwelt und die Pflanzenvielfalt haben sich sehr negativ entwickelt.
    Lebensmittelverbrennung und extreme Pachtpreise sorgen dazu für Preissteigerungen bei Lebensmitteln. Die Menschen die das zu verantworten haben, sind weder Natur- noch Menschenschützer, nur ideologisch verblendete Geschäftemacher. Warum lassen wir uns diese Naturzerstörung gefallen?

  • Dieses Problem wäre wirklich zur Abwechslung mal eine Sache die bei der EU richtig aufgehoben wäre:
    Förderung nur, wenn einige Prozent, mal verteilt, mal zusammenhängend der Natur überlassen werden - und gut is. Aber noch nichtmal dazu sind wir scheinbar noch in der Lage.
    Zu ihren Vogelscheuchen: ein Tagebau, eine Bohrinsel oder ein AKW samt Müll sollen auch nicht immer so ein Segen für die Natur sein - hab ich gehört. Oder liegt es dran das die von weniger Leuten gesehen werden?

  • Maisfelder in dieser Menge hben auch bei uns gar nichts zu suchen.
    Aber auf Befehl von Merkel müssen wir uns ja Mais in den Tank stopfen.
    Wir sind nur noch ein ekelhaftes Volk geworden.
    Alles wird em Profit und der der Öko-Hysterie, die ohnehin verlogen ist, untergeordnet
    Und usnre wirklichen Natürschützer schreien auch immer erst dann, wenn es fast zu spät ist

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%