Wiederansiedlung des Waldrapps
Sympathischer Exot mit Glatze

Einen Schönheitspreis wird der Waldrapp wohl nie gewinnen, dafür ist der Vogel mit dem markanten Glatzkopf aber ein echter Sympathieträger. Biologen versuchen, die Tiere in Deutschland wieder heimisch werden zu lassen.

ÜberlingenGlatzköpfige Vögel mit schwarzem Federkleid: Der skurril aussehende Waldrapp lebte bis ins 17. Jahrhundert im Alpen- und Mittelmeerraum. Dann wurde der Ibis-Art ihre Zutraulichkeit zum Verhängnis.

Weil die gänsegroßen Tiere die Nähe des Menschen suchten, waren sie für Vogeljäger leichte Beute – heute sind sie in freier Natur praktisch ausgestorben. Im Rahmen eines EU-Projektes sollen die Zugvögel nun im Alpenraum wieder angesiedelt werden.

Bis 2020 sollen die schwarz-grün-violett glänzenden Vögel mit Hilfe des EU-Projektes LIFE+Biodiversity dort wieder heimisch werden. Erste Erfolge verzeichnen die Biologen im bayerischen Burghausen und in Salzburg in Österreich, Überlingen am Bodensee wäre der einzige Standort in Baden-Württemberg.

Warum die Wahl des Projektteams auf die Stadt fiel, hat verschiedene Gründe: „Dort finden sie geeignete Brutmöglichkeiten in den Sandsteinfelsen“, erklärt der Tiroler Projektleiter Johannes Fritz. Das Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell sei auch nicht weit entfernt. „Außerdem ist Überlingen konkret interessiert und es besteht ein guter Kontakt.“

Charakteristisch für den Vogel mit dem lateinischen Namen Geronticus eremita ist neben dem kahlen Kopf mit markantem Federkranz der rote, nach unten gekrümmte Schnabel. Er ernährt sich von Würmern und Insekten und brütet in Kolonien von 30 bis über 400 Tieren in Felsnischen.

„Wenn man ihn das erste Mal sieht, wirkt er fast hässlich“, findet Fritz. „Je öfter man ihn aber anschaut, desto faszinierender wird der Vogel. Er ist exotisch und sehr sozial.“ Auch Konfliktpotenzial etwa mit Fischern oder Bauern gebe es nicht beim Waldrapp: „Er ist ein ausgesprochener Sympathieträger ohne Probleme.“

Auf deutscher Seite wird das Projekt vom Ornithologen Peter Berthold von der Heinz-Sielmann-Stiftung betreut. Bei einem Treffen von Biologen und Behördenvertretern Anfang Dezember wurde ein geeigneter Felsen zwischen Überlingen und Sipplingen gewählt, in den eine Voliere sowie Holznischen gebaut werden sollen. Im Moment laufe das naturschutzrechtliche Genehmigungsverfahren, sagt Berthold.

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