Wildtier-Wanderungen

Deutschland wird zum Elch-Land

Ein junger Elchbulle verirrt sich im Sommer in ein Dresdner Bürogebäude und sorgt bundesweit für Aufsehen. Werden die Riesen in Deutschland wieder heimisch? Wildtier-Experten halten das für durchaus möglich.
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Elche im Wildpark Schorfheide nahe Groß Schönebeck. Mit viel Glück bekommt man die Riesen neuerdings hierzulande auch in freier Wildbahn zu Gesicht. Quelle: dpa

Elche im Wildpark Schorfheide nahe Groß Schönebeck. Mit viel Glück bekommt man die Riesen neuerdings hierzulande auch in freier Wildbahn zu Gesicht.

(Foto: dpa)

DresdenWer einen Elch in freier Wildbahn sehen möchte, muss dafür nicht unbedingt nach Schweden fahren. Mit viel Glück bekommt man die Riesen neuerdings auch in Deutschland zu Gesicht. „Vor allem die halbstarken jungen Tiere ziehen los, um die Welt zu entdecken“, sagt Andreas Kinser, Forst- und Jagdreferent der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. Immer öfter wandern Elche aus Polen und Tschechien über die Grenze nach Ostdeutschland.

Die Stiftung geht aber davon aus, dass nur eine Handvoll Tiere dauerhaft in Deutschland leben. „Die meisten Elche durchstreifen die Gegend nur auf ihrer Wanderschaft.“ Pro Jahr zählt die Stiftung rund 25 Elchsichtungen – die meisten in Brandenburg.

Seit etwa drei Jahren entdecken Förster oder Spaziergänger immer wieder bestimmte Elche vor allem in Ostbrandenburg. „Von einer richtigen Population kann man aber nicht reden“, sagt Ina Martin, Biologin am Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. Sie erfasst Daten zum Elch und hat im Auftrag des Landes einen Elch-Management-Plan zum Umgang mit den Tieren erstellt.

Diese Arten sind vom Aussterben bedroht
IUCN präsentiert aktualisierte Rote Liste bedrohter Arten
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Einige Tiere kamen 2012 neu auf die Rote Liste gefährdeter Arten. Neu auf der Liste ist beispielsweise der hier gezeigte Schwarzleguan (Ctenosaura nolascensis).

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Ebenfalls neu auf der Liste ist der Tigerpython (Python bivittatus) mit seinem an das Raubtierfell erinnernden charakteristischen Muster. Diese Unterart des Indischen Pythons gehört zu den sechs größten Schlangenarten der Welt. Wild lebende Tiere werden im Schnitt 3,70 Meter lang, das größte vermessene Exemplar kommt sogar auf 5,74 Meter.

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Das Bild zeigt einen bedrohten Caqueta-Springaffen (Callicebus caquetensis). Diese Primaten-Art wurde erst im Jahr 2010 entdeckt, weshalb noch wenig über die Affen bekannt ist. Experten schätzen den Bestand auf etwa 250 Tiere. Die Art kommt in der kolumbianischen Provinz Caqueta vor, das genaue Verbreitungsgebiet ist aber noch unbekannt.

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Die Riesensepia (Sepia apama) kommt ebenfalls 2012 neu auf die Rote Liste. Die Art kommt nur an der West-, Süd- und Ostküste Australiens vor. Sie gehört zu den größten bekannten Sepia-Arten. Einige Exemplare bringen mehr als zehn Kilogramm auf die Waage.

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Aber es gibt auch positive Nachrichten. So wurde beispielsweise ein als ausgestorben geltender Frosch in Israel wiederentdeckt: Der weiß gepunktete Israelische Scheibenzüngler (Discoglossus nigriventer) wird nun als „stark vom Aussterben bedroht“ gelistet, nachdem er 1996 bereits als ausgestorben klassifiziert worden war. Die Art kommt in der Nähe des Hula-Sees in Israel vor. Am 16. November 2011 wurde wieder ein Exemplar in dem Gebiet gesichtet, wenige Wochen später ein zweites.

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Der Große Feuerfalter (Lycaena dispar) gilt auf der Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature) als stark gefährdet. Der Schmetterling lebt in europäischen Mooren und auf Feuchtwiesen, vor allem in Flusstälern großer Flüsse. Sie bevorzugen zudem kleinere Schilfrohrbestände. Da in den vergangenen Jahren diese Lebensräume immer seltener geworden sind, wurden auch die Bestände des Großen Feuerfalters stark dezimiert.

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.Der Netz-Peitschenschwanz-Rochen (Himantura leoparda) ist dieses Jahr neu in die Rote Liste aufgenommen worden. Trotz aller Schutzbemühungen nimmt allgemein die Zahl der bedrohten Arten zu. Von den knapp 64.000 untersuchten Tier- und Pflanzenarten seien fast 20.000 vom Aussterben bedroht, berichtet die IUCN.

Etwa drei Elche sind demnach regelmäßig in der Uckermark, der Schorfheide (Barnim) und in den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland unterwegs. Seit etwa dem Jahr 2000 kommen demnach verstärkt Elche von Polen über die Grenze.

Der Elch ist ein Katastrophenfolger

In Polen sind die Bestände nach Schätzung der Deutschen Wildtier Stiftung auf rund 4000 Exemplare angewachsen, seitdem die Elche nicht mehr gejagt werden dürfen. Auf der Suche nach neuen Revieren zieht es vor allem junge und männliche Tiere gen Westen. Auch in Tschechien gibt es eine kleine Population, von der Tiere nach Niederbayern wandern.

Als eine Touristin vor zwei Jahren im Böhmerwald gleich drei Elche auf einmal vor die Kameralinse bekam, wurde das als kleine Sensation gefeiert. Elche gelten als sehr scheu. Rund um den Stausee Lipno an der Grenze zu Österreich leben heute rund 15 Tiere.

Sobald ein Elch in Bayern gesichtet wird, schaut sich der Elchbeauftragte der Regierung, Reiner Karsch, die Stelle genau an. Er sucht nach Biss- und Kotspuren sowie Abdrücken. Generell sei der Bayerische Wald ein guter Lebensraum für den Elch, sagt Karsch. „Der Elch ist ein Katastrophenfolger. Die Bestände explodieren nach Waldbränden sowie Schäden durch Borkenkäfer und Windwurf.“

Auf den so entstandenen Kahlflächen finde der wählerische Elch junge Bäume und Bodenbewuchs. In Niederbayern sind seit 2007 insgesamt mindestens 19 Elche gesichtet worden, drei wurden 2007 bei Verkehrsunfällen getötet.

Wegen des vielen Verkehrs sei Deutschland für die Elche gefährliches Terrain: „Viele werden überfahren“, erklärt Kinser. Das sei ein Grund dafür, dass die Population nicht wachse. Auf der anderen Seite stellen die Elche wegen ihrer Körpermasse eine Gefahr für die Autofahrer dar. „Der Elch hat eine andere Dimension als ein Reh.“

Grüne Brücken für den Elch
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