Wirtschaftliche Folgen des Klimawandels
Was kostet die Rettung der Welt?

Trotz zahlreicher Studien sind die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels umstritten. Schon geringe Änderungen in den komplexen Modellen verschieben die Ergebnisse. Und wie kalkuliert man erst irreversible Schäden, Krankheiten, Menschenleben oder das Aussterben ganzer Tier- und Pflanzenarten?

BERLIN. Mancher Vorschlag zur Rettung der Welt klingt abenteuerlich: Der Chemienobelpreisträger Paul Crutzen will tonnenweise Schwefeldioxid in die Atmosphäre pumpen lassen. Dort soll es einen Teil der Sonneneinstrahlung reflektieren und so die Erderwärmung bremsen. Die Nasa prüft die Entwicklung eines Sonnenschirms für den Globus, der aus zehntausenden Plastikschilden im All bestehen soll. Die Kosten solcher Rettungsaktionen werden auf 25 bis 140 Mrd. Dollar pro Jahr geschätzt. Eine Menge Geld, aber „Peanuts“ im Vergleich zu möglichen Schäden, die die Erderwärmung nach sich ziehen könnte.

Es war der britische Ökonom Nicholas Stern, der die Weltöffentlichkeit vor einem Jahr aufrüttelte. Auf 5,5 Billionen Euro oder 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung könnten sich die ökonomischen Folgen schlimmstenfalls summieren, wenn nichts gegen den Klimawandel unternommen werde, schrieb er in seinem nach ihm benannten Report für die britische Regierung. Sterns Botschaft: Klimaschutz lohnt sich auch finanziell. Denn um das Schlimmste zu verhindern, müsste die Weltgemeinschaft pro Jahr nur ein Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in den Kampf gegen die Erderwärmung stecken.

Seither erscheinen immer neue Studien über mögliche Schäden durch den Klimawandel und die Kosten der Gegenstrategien. Die Schwankungsbreite der Berechnungen ist enorm. So schätzt Claudia Kemfert, Umweltökonomin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass ein ungebremster Klimawandel Deutschland nicht 20, sondern „nur“ 0,5 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts kosten dürfte. Und der Uno-Klimarat beziffert den Aufwand für die Eindämmung des Klimawandels nicht auf ein, sondern nur auf 0,12 Prozent des Weltsozialproduktes.

Die Studien gehen von unterschiedlichen Annahmen aus und basieren nicht auf der gleichen Methodik, daher sind sie nur begrenzt miteinander vergleichbar. Aber selbst innerhalb einzelner Untersuchungen ist die Band-breite der Schätzungen immens.

„Die Hälfte der Unsicherheit kommt aus den Klimamodellen, die andere Hälfte aus den ökonomischen Berechnungen“, sagt Richard Tol, Umweltökonom am Economic and Social Research Institute Dublin. Nach Ansicht von DIW-Forscherin Kemfert bewegen sich vor allem die volkswirtschaftlichen Berechnungen auf dünnem Eis. „Es gibt viele, viele Unbekannte – und die Unsicherheiten potenzieren sich.“

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