Wissenschaft
In Indien schwindet das Grundwasser

Indien verbraucht zu viel Grundwasser. Jetzt sank der Spiegel auf ein bedrohlich niedriges Niveau. Das haben amerikanische Forscher herausgefunden. Bei ihrer Untersuchung stützten sie sich auf eine Methode, die die Geologie revolutionieren könnte.
  • 0

DÜSSELDORF. Indien droht eine schwere Dürre: Die Regenzeit hat bisher deutlich weniger Niederschläge gebracht als im langjährigen Mittel.

Doch die Wasserkrise ist wohl nicht allein auf das Wetter zurückzuführen: Im Nordwesten Indiens haben Wissenschaftler einen starken Schwund von Grundwasser über mehrere Jahre hinweg nachgewiesen, der mit natürlichen Wetterschwankungen nicht erklärt werden kann. Davon berichten sie in der Online-Ausgabe des Magazins „Nature“.

Der Wasserverlust sei vermutlich menschengemacht, glauben die Forscher von der Universität von Kalifornien in Irvine und vom Nasa Goddard Space Flight Center in Greenbelt. Die Schuld an dem Rückgang sehen sie im exzessiven Wasserverbrauch in der Region, etwa zur Bewässerung der Felder.

Sie berichten von einem Rückgang des Grundwasserspiegels in den Bundesstaaten Rajasthan, Punjab und Haryana um jährlich vier Zentimeter. Demnach gingen in der Region im Untersuchungszeitraum von sechs Jahren insgesamt 109 Kubikkilometer Wasser verloren - also 109 Billionen Liter.

Ihre Untersuchung stützen die Wissenschaftler auf Satellitendaten aus den Jahren 2002 bis 2008. Die Daten stammen von dem Doppelsatelliten „Grace“, der Unterschiede in der Erdanziehungskraft misst. Über- und unterirdische Wasservorkommen können diese Anziehungskraft beeinflussen. „Mit ,Grace’ können wir Veränderungen in Wasserdepots auf der ganzen Welt vom Schreibtisch aus verfolgen“, erklärt Isabella Velicogna, Mitautorin der Studie. „Mit den Satelliten können wir beobachten, wie Wasservorräte in trockenen Regionen der Erde sich von Monat zu Monat entwickeln.“

Grundwasser bildet sich, wenn Regenwasser oder Wasser aus Flüssen und Seen in der Erde versickert. Es sammelt sich in unterirdischen Hohlräumen und porösen Gesteinsschichten. Im Vergleich zu überirdischen Gewässern reagiert der Grundwasserspiegel nur sehr langsam auf Wetteränderungen wie zum Beispiel schwere Regenfälle. Wird das Grundwasser aus den unterirdischen Reservoirs entnommen, kann es Monate oder Jahre dauern, bis sie wieder aufgefüllt sind.

Seite 1:

In Indien schwindet das Grundwasser

Seite 2:

Kommentare zu " Wissenschaft: In Indien schwindet das Grundwasser"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%