Zukunftslabor 2020
Die grüne Geldmaschine

Inspiriert von Firmengründer Edison forscht der Industrieriese General Electric nahezu jeden Bereich der Umwelttechnik aus: Windturbinen werden größer, Solarzellen kleiner - und Strom denkt mit.
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NiskayunaDer kleine weiße Kasten, der in der Steckdose steckt, macht Stromfressern den Garaus. Springt das Kontroll-Lämpchen auf Rot, geht nichts mehr im Haushalt: Die Waschmaschine geht aus, der Kühlschrank produziert keine Eiswürfel, auch das Elektroauto in der Garage wird nicht mehr geladen.

Im Stromnetz der Stadt ist gerade "Rush-Hour" - also blockiert das Gerät alles, was jetzt nicht unbedingt Strom zapfen muss. Erst wenn die Spitzenzeit vorüber ist, springen die Geräte wieder an. Das macht das Netz stabiler - und die Stromrechnung günstiger.

In Kannan Tinniums Labor ist die Vision vom intelligenten Stromnetz, im Fachjargon "Smart Grid" genannt, bereits Realität. Der indischstämmige Forscher führt durch einen 20 Quadratmeter großen Raum mit leuchtend-grünen Wänden. Auf blinkenden Monitoren wird der Stromkreislauf simuliert: von der Energieproduktion über den Lieferanten bis zum Verbrauch an der Waschmaschine.

Was für Amerikaner so aussieht, als würde ihnen die Macht über die Energiezufuhr in den eigenen vier Wänden genommen, ist für Tinnium und seinen Arbeitgeber General Electric (GE) die Stromversorgung der Zukunft. "Es wird Jahre dauern, bis Amerika akzeptiert, dass Strom nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung steht", betont Tinnium. Aus seiner von Stromausfällen geplagten Heimat Indien weiß er: "Es gibt keine Alternative, wenn man nicht schnell in neue und teure Leitungen investiert."

Sechs Milliarden Dollar für die Forscher

Was Tinnium in seinem grasgrünen Labor tagein, tagaus testet, entwickelt sich zu einem Milliardengeschäft. Und wie stets, wenn es um die ganz großen Geschäfte geht, will sich Tinniums Firma an die Spitze der Bewegung setzen: GE forscht am Stromnetz der Zukunft, aber auch an der nächsten Generation von Windturbinen, an Mini-Solarzellen sowie an Verfahren, die verunreinigtes Wasser sauber filtern.

"Ecomagination" heißt die Vision, die Konzernchef Jeff Immelt vor sechs Jahren ausgegeben hat. Sie soll aus Amerikas größtem Industriekonzern eine grüne Geldmaschine machen. Immelt beschäftigt deshalb 2000 Wissenschaftler allein in der Innovationszentrale in Niskayuna, einer amerikanischen Kleinstadt drei Autostunden nördlich von New York. Ingenieure und Materialforscher tüfteln hier, Keramiker und Elektroniker, Statistiker und viele andere Berufsgruppen.

Ihr Arbeitsplatz ist ein moderner Bau aus Glas und Stahl, der idyllisch im Grünen liegt. Der Schreibtisch des legendären Erfinders und GE-Firmengründers Thomas Edison steht mitten in der Eingangshalle - zur Inspiration: "Ich finde heraus, was die Welt braucht. Dann versuche ich, es zu erfinden", steht unter einem Edison-Porträt.

Der kommerzielle Gedanke, der in Edisons Worten mitschwingt, ist in Niskayuna omnipräsent. "Es geht hier nicht um Forschung der Forschung willen", sagt eine Mitarbeiterin: "Wir haben hier Wissenschaftler mit sehr ausgeprägtem Geschäftssinn."

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