20 Jahre Bremer Fallturm
Fallen im Dienst der Wissenschaft

Ein Zehn-Sekunden-Ausflug ins All lässt sich im Bremer Fallturm simulieren. Die in Europa einzigartige Anlage ermöglicht Experimente unter Bedingungen annähernder Schwerelosigkeit – für einen Bruchteil dessen, was eine echte Reise ins All kosten würde.
  • 0

BREMEN. Für Experimente zur Schwerelosigkeit ist nicht in jedem Fall ein teurer Einsatz der Internationalen Raumstation (ISS) nötig. Der 146 Meter hohe Bremer Fallturm liefert Wissenschaftlern relativ kostengünstig Bedingungen, die fast so sind wie im Weltraum. Am Freitag feiert die in Europa einzigartige Einrichtung ihr 20-jähriges Bestehen.

Weithin sichtbar erhebt sich der schlanke Turm mit der Glasspitze über das Bremer Universitätsgelände. Um seine Basis herum gebaut ist das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (Zarm), das den Turm betreibt. Hier untersuchen Wissenschaftler Phänomene, die von der Schwerkraft abhängig sind - das Verhalten von Flüssigkeiten zum Beispiel. Raketen-Treibstoff etwa verhält sich in den Tanks im Weltall ganz anders als auf der Erde.

Bis 2004 konnte der Turm 4,7 Sekunden annähernde Schwerelosigkeit bieten. So lange dauerte es, bis die Experimentkapsel aus der Spitze des schlanken, innen orangefarbenen Turms durch eine 123 Meter lange Fallröhre in einen Auffangbehälter voller Styroporkügelchen herabgefallen war. Dann wurde ein Katapult eingebaut, das die Kapsel mit Hilfe eines ausgeklügelten Antriebs in die Spitze schießt.

9,3 Sekunden annähernde Schwerelosigkeit

Jetzt erreicht sie nach 9,3 Sekunden wieder den Boden. „Eine weltweit einzigartige Anlage“ sei dieses Katapult, so Zarm-Leiter Hans J. Rath. Stehen Besucher auf dem Flur vor seinem Büro im ersten Stock des Zarm, können sie durch deckenhohe Scheiben auf die Forschergruppen hinunterschauen, die im Erdgeschoss am Turmeingang ihre Experimente vorbereiten.

Weltweit gibt es nur drei Falltürme und einen Fallschacht, ein Versuch kostet rund 5 000 Euro und gilt damit etwa im Vergleich zu Experimenten an Bord der ISS als preiswert. Darum kommen Wissenschaftler von überall her, um hier zu forschen.

Die Zeit dafür ist allerdings knapp bemessen: Maximal dreimal am Tag kann im Turm experimentiert werden, nur rund 400 Versuche sind pro Jahr möglich. Grund sind die aufwendigen Vor- und Nacharbeiten. Es dauert allein zwei Stunden, um die Luft aus der Röhre abzusaugen, damit darin ein Vakuum entsteht.

Seite 1:

Fallen im Dienst der Wissenschaft

Seite 2:

Kommentare zu " 20 Jahre Bremer Fallturm: Fallen im Dienst der Wissenschaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%