2 000 Jahr Varusschlacht
Jubiläumsschau für ein Gemetzel

„Die deutsche Nationalität, die siegte in diesem Drecke“ - so besang Heinrich Heine einst die Schlacht im Teutoburger Wald. 2 000 Jahre nach der Niederlage des Publius Quinctilius Varus gegen den Cherusker Arminius öffnet am Wochenende eine Archäologie-Ausstellung der Superlative zur Varusschlacht ihre Pforten.
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HB HALTERN/DETMOLD/KALKRIESE. Es ist eine Archäologie-Ausstellung der Superlative - und das nicht nur wegen des gewichtigen Sechs-Kilo-Katalogs. Die dreiteilige Dokumentation „Imperium- Konflikt-Mythos“ im westfälischen Haltern, im lippischen Detmold und im niedersächsischen Kalkriese bei Bramsche beleuchtet nicht weniger als eine nationale Legende: Im Mittelpunkt steht die zur Geburtsstunde Deutschlands verklärte „Schlacht im Teutoburger Wald“, bei der vor genau 2 000 Jahren die Krieger des Cheruskers Arminius drei Legionen des Römers Varus niedermetzelten und so den Drang Roms nach Germanien dämpften.

Die bisher wohl größte archäologische Ausstellung auf deutschem Boden zeigt von Samstag an (bis 25. Oktober) in den drei Museen tausende Exponate vom römischen Schuhnagel bis zum weltbedeutenden antiken Kunstwerk, vom nationalistischen Schlachtengemälde des 19. Jahrhunderts bis zur Woll-Kleidung germanischer Moorleichen.

Die Geschichte des Feldherrn Varus wird im Halterner Römermuseum und der nahen Seestadthalle lebendig. Mehr als 300 Exponate als Leihgaben aus aller Welt dokumentieren zudem den Aufstieg Roms vom Dorf auf den Sieben Hügeln zur Weltmacht. Eine Hand voll winziger Bronzemünzen zeigt ein zeitgenössisches Porträt von Varus. Im Laufe seiner steilen Karriere erlebte er als Vertrauter von Kaiser Augustus die kulturelle Blüte des „Goldenen Zeitalters“: Kunstvolle Freskenfragmente aus Villen, silberne Becher mit goldenen Verzierungen und feinste Marmorreliefs zeugen in Haltern vom immensen Luxus Roms.

In der Mitte eines hell erleuchteten Raums steht eine Statue von Apollo, dem Gott der Schönen Künste. Die dunkle Seite in der Karriere des Römers belegt die Nachbildung eines von einem Nagel durchbohrten Fersenbeins eines Gekreuzigten, den wohl Varus als Statthalter des Imperiums in Palästina hatte hinrichten lassen.

Die Schätze der germanischen „Barbaren“ und ihre Welt ist das Thema in Kalkriese, dem möglichen historischen Ort der Varus-Niederlage. Zum Teil waren die Exponate noch nie in Deutschland zu sehen, wie viele der Ausstellungsstücke aus dem dänischen Illerup. Die in einem Moor entdeckten Waffen-Opfer stehen für die Dauerkriege unter den Germanen. Da es aus dieser Zeit keinerlei schriftliche Quellen gibt, sind diese Funde von unschätzbarem archäologischen Wert. So stehen die Besucher vor Vitrinen mit Pfeilspitzen, Schwertern oder anderen germanischen Waffenresten.

Ein wesentliches Motiv für Konflikte ist die Eroberung von Beute gewesen. Das zeigt sich am Alamannenschatz von Neupotz aus Schmuck, Töpfen, Kesseln und Waffen, der die Plünderungen der Germanen über den Grenzwall Limes hinweg tief ins Römische Reich hinein dokumentiert.

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