30 Jahre Barcode
Balken für den Fortschritt

Strichcodes (Barcodes) sind fester Bestandteil des täglichen Lebens. Fast auf jeder Packung finden sich die schwarzen Striche, die so einfach Informationen an Scannerkassen übermitteln. Der Barcode wird nun 30 Jahre alt – und könnte trotz seines Siegeszugs vor dem Aus stehen.

KÖLN. Es gibt ihn in Benin und Tadschikistan, Albanien und Nordkorea. Allein in wenigen Ländern Afrikas sucht man ihn vergeblich – und in den meisten Supermarktregalen von Aldi: Der EAN-Strichcode, das Esperanto des weltweiten Handels. Am 1. Juli feiert er seinen 30. Geburtstag.

Vor seinem Siegeszug um den Globus, der 1977 startete und zunächst nur schleppend vorankam, war die Welt in Deutschlands Supermärkten eine andere. Zwischen den Regalen klickten unaufhörlich Etiketten-Pistolen, mit denen mürrische Helfer in weißen Kitteln jede Einzelpackung mit kleinen Preisschildchen versahen. Eine Kollegin tippte die angehefteten Preise anschließend in die Registrierkasse, drehte die Kurbel und tippte erneut. Am Ende reichte der Druck auf die Summentaste, um den Kassenzettel auszudrucken. Welche einzelnen Artikel sich hinter der Zahlenkolonne verbargen, konnte Mutti später zu Hause nur noch mühsam rekonstruieren, ausgewiesen wurden sie nicht.

Ein paar Dutzend paralleler, aber unterschiedlich breiter Striche bereiteten diesem nostalgischen Idyll gnadenloser Ineffizienz schließlich ein Ende. Erfunden hatten sie 1949 die zwei Wissenschaftler Joseph Norman Woodland und Bernard Silver, die als Lesegerät eine optoelektronischen Lichtstrahl entwickelten. Der Clou für den Einzelhandel: Würde die Ware bereits vom Hersteller mit einem standardisierten Strichcode geliefert, so das Kalkül, konnte man im eigenen elektronischen Warenwirtschaftssystem für jeder der codierten Artikelnummern eigene Informationen hinterlegen. Als wichtigste erschien dabei der Preis.

Doch der Vormarsch des so genannten Balkencodes (englisch: Barcode) sollte länger dauern als gedacht. 1969 starten die Deutschen mit der BAN, der „Bundeseinheitlichen Artikel-Nummerierung“, vier Jahre später folgen die Amerikaner auf Druck von Wal-Mart mit einem eigenen „UPC-Code“.

Doch erst nachdem die Supermarktkette Marsh am 26. Juni 1974 in Troy, Ohio, das erste mit einem Strichcode markierte Produkt, eine 10er Packung Fruchtkaugummi des Herstellers Wrigley, an einer Scannerkasse verkauft, erwachen Handel und Industrie auf der anderen Seite des Atlantiks. Knapp drei Jahre später gründen zwölf europäische Länder unter deutschem Vorsitz die Gesellschaft für „Europäische Artikel-Nummern“ (EAN). Am 1. Juli 1977 erteilt die deutsche Landesgesellschaft CCG (heute GS1) den Startschuss für den ersten elektronisch kassierten Artikel: eine Gewürzmischung der Firma Gebr. Wichartz aus Wuppertal.

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