3D-Druck in Deutschland
Die Zukunft aus dem Drucker

3D-Drucker gestalten heute schon den Alltag von Millionen Menschen. Vom Hörgerät bis zum Flugzeugtriebwerk, von der Gasturbine bis zum Zahnersatz  kommt die Technik zum Einsatz. Deutsche Unternehmen sind dabei führend.

MünchenMeist unbemerkt ist 3D-Druck heute schon im Alltag von Millionen Menschen angekommen. Hörgeräte und Zahnersatz stammen sehr oft aus 3D-Druckern; die Technik steckt in Siemens-Gasturbinen, MTU-Flugzeugtriebwerken – und sogar im Rolls-Royce: Seit Jahren werden Halterungen für Warnblinker, Parkbremse und Steckdose in der Luxuslimousine serienmäßig im 3D-Drucker gefertigt und zwischen edlem Wurzelholz und Ledersitzen verbaut.

Der Rolls-Royce-Mutterkonzern BMW hat inzwischen viele Werke mit den Maschinen ausgerüstet. Wenn in den USA oder China dringend ein Bauteil gebraucht wird, kommt es schneller und billiger aus dem Drucker. Vor allem bei komplexen Bauteilen in kleinen Stückzahlen lohnt sich der Einsatz: Es müssen keine Gussformen und Werkzeuge mehr hergestellt werden, und das mühsame und materialaufwendige Herausbohren und Wegfräsen aus einem großen Werkblock entfällt.

„Ein 3D-gedrucktes Auto wird es auch in 20 Jahren nicht geben“, sagt BMW-Bereichsleiter Udo Hänle von der Konzernforschung in München. Aber in einem Prototypen stammen gut 3000 Teile aus dem 3D-Drucker. Selten gebrauchte Ersatzteile für einen Oldtimer müssen nicht mehr im Lager vorrätig gehalten werden, sondern können bei Bedarf gedruckt werden. Und auch individuell mit Namenszug gestaltete Blinker für Minis kommen günstiger aus dem Drucker.

Deutsche Unternehmen sind nach einer in dieser Woche vorgestellten Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young führend beim Einsatz von 3D-Druckern. Mit so gefertigten Produkten werde in Deutschland heute schon fast eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr erzielt, weltweit 10 Milliarden, sagte Berater Andreas Müller.

Ernst & Young befragte in Deutschland rund 200 Unternehmen aus Branchen, die grundsätzlich mit 3D-Druck arbeiten könnten. Davon nutzten 37 Prozent die neue Technik. In China und Südkorea waren es 24 Prozent der dort befragten Unternehmen, in den USA nur 16 Prozent.

Viele mittelständische Firmen seien allerdings skeptisch wegen der hohen Anschaffungskosten für 3D-Druckmaschinen und des notwendigen Know-hows, sagt Unternehmensberater Müller. Die Maschinen von der Größe eines Kleiderschranks kosten immerhin bis zu zwei Millionen Euro. Dass künftig jede größere Autowerkstatt damit ausgestattet wird, sei schwer vorstellbar – zu teuer, heißt es bei BMW.

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400 Zahnkronen in einer Nacht

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